Dienstag, 1. September 2009

DFB-Team in Lahti angekommen

01.09.2009 14:05 Frauen-EM 2009

DFB-Team in Lahti angekommen

Neuer Ausblick: Silvia Neid (l.) und Inka Grings  © Bongarts/GettyImages
Neuer Ausblick: Silvia Neid (l.) und Inka Grings

Die Frauen-Nationalmannschaft hat bei der EURO in Finnland ihr nächstes Quartier bezogen. Am Dienstag trafen Team und Betreuerstab in Lahti ein, wo am Freitag (ab 15.00 Uhr/live im ZDF und auf Eurosport) das EM-Viertelfinale gegen Italien ansteht.

Anders als im Teamhotel in Tampere, das idyllisch am Rande eines Sees angesiedelt war, befindet sich das neue Quartier mitten in der Stadt. Nachmittags wird das Team seine erste Trainingseinheit in der Wintersporthochburg bestreiten.

Am Morgen hatte sich die DFB-Delegation auf die Fahrt von Tampere nach Lahti begeben. Nach zwei Stunden erreichte das Team im Mannschaftsbus das neue Domizil, vorausgefahren waren zwei Mercedes-Sprinter, vollgepackt mit zehn Alu-Boxen und 20 Koffern, hauptsächlich mit Spiel- und Trainingskleidung.

Interview mit Birgit Prinz

01.09.2009 07:45 Frauen-EM 2009

Birgit Prinz: "Ich finde das sehr anstrengend"

Stürmer werden an ihren Toren gemessen. Ein Allgemeinplatz, der sich etabliert hat. Allein darauf reduziert zu werden, widerstrebt Birgit Prinz.

Die Spielführerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft hat zwar mit 123 Länderspiel-Treffern ihre Torgefährlichkeit hinlänglich zur Schau gestellt, dennoch muss sie sich nach gerade mal drei Spielen ohne persönliches Erfolgserlebnis bei der EURO 2009 in Finnland zu diesem Thema äußern.

Es entstand ein außergewöhnliches Gespräch, in dem die dreifache Weltfußballerin des Jahres interessante Einblicke in ihr Seelenleben gewährt und eine offene Einschätzung ihrer aktuellen Situation liefert. DFB-Redakteur Niels Barnhofer schrieb mit.

Rekordtorjägerin: Birgit Prinz  © Bongarts/GettyImages
Rekordtorjägerin: Birgit Prinz

Frage: Birgit Prinz, Sie haben nach dem Frankreich-Spiel gesagt, dass Gefühl zu haben, noch nicht richtig im Turnier zu sein. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Birgit Prinz: Gegen Norwegen lief es für mich ganz gut. Da habe ich nur das Tor nicht getroffen, das ich hätte machen müssen. An sich war ich gut im Spiel drin. Gegen Frankreich hatte ich das Gefühl, dass mein Timing nicht richtig passt und ich deswegen nicht ins Spiel fand. Es lief einfach nicht von selbst. Eine Erklärung dafür zu finden, ist schwierig. Sicherlich fehlt mir ein bisschen Spielpraxis. Ich hatte lange ausgesetzt, nachdem ich mir im April gegen Brasilien einen Rippenbruch zugezogen hatte. Und manchmal ist es auch so, dass es nicht so laufen will, wie man es gerne hätte. Für mich gibt es keine wirkliche Erklärung dafür.

Frage: Glauben Sie, dass, wenn Sie treffen würden, der Knoten platzen würde?

Birgit Prinz: Ehrlich gesagt, geht mir das auf die Nerven. Nach zwei Spielen geht die Diskussion los, warum ich nicht treffe. Ich habe dann das Gefühl, ich muss mich rechtfertigen, warum ich nicht getroffen habe. Was ich, ehrlich gesagt, sehr anstrengend finde. Da habe ich selbst auf dem Spielfeld das Gefühl, ich fange noch mehr an, darüber nachzudenken. Was mich dann noch mehr hemmt. Sicherlich läuft es leichter, wenn man mal getroffen hat.

Frage: Gibt es Momente im Spiel, in denen Sie daran denken, dass man von Ihnen Tore erwartet?

Birgit Prinz: Immer kann ich nicht abschalten. Gerade wenn zwei, drei Aktionen hintereinander misslungen sind, dann ist mir dieser Gedanke präsenter.

Frage: Besteht dann die Gefahr, dass Sie in Situationen, in denen Sie besser abspielen sollten, selbst auf das Tor schießen?

Birgit Prinz: Das entspricht nicht meinem Naturell. Das ist völlig gegen meine Fußball-Philosophie. So zu wider meiner selbst handele ich nicht. Ich will mit der Mannschaft Erfolg haben, das ist mir ganz wichtig. Und nur weil es mich nervt, Journalisten-Fragen zu beantworten, sage ich nicht, ich mache jetzt mein Ego-Ding und versuche ein Tor zu erzielen.

Frage: Welche Resonanz erhalten Sie von Ihren Mitspielerinnen?

Birgit Prinz: Die sind eher süß. Die unterstützen mich genauso wie Silvia Neid. Die sehen das auch nicht so problematisch an. Wir schießen ja unsere Tore und es ist auch nicht so, dass ich an keinerlei Toraktion beteiligt bin. Wenn ich jetzt völlig grottig spielen würde, dann nicht treffen würde, dann wäre es kritisch. So habe ich das Gefühl – ich gebe jetzt mal die Schuld ans Kollektiv –, dass die Journalisten mich hinterfragen. Ich fühle mich derart angegriffen, dass ich nicht weiß, ob ich überhaupt noch das Recht habe zu sagen, mein Ziel ist die WM 2011, wenn ich hier nicht mehr treffe.

"Vom Kopf her kann ich das absolut"

Frage: Die Frage entsteht ja aus Ihrer grandiosen Vorgeschichte, in der Sie ja unheimlich viele und wichtige Tore geschossen haben. Können Sie diese Diskussion nicht dahingehend einordnen, dass dieses Zählen der torlosen Minuten zum Schicksal der Torjägerinnen gehört?

Birgit Prinz: Doch, vom Kopf her kann ich das absolut. Das kann ich kognitiv sehr gut einordnen. Ich weiß auch, dass das der Job der Journalisten ist. Und ich weiß auch, wie die Medien funktionieren. Ich weiß, es gibt weiß und es gibt schwarz. Aber es fühlt sich deswegen nicht anders an. Man kann es zwar relativieren, aber es fühlt sich nicht anders an. Und das macht halt den Unterschied.

Frage: Wobei es nicht ganz so schwarz ist, wie Sie es jetzt dargestellt haben…

Birgit Prinz: Genau, ich bin jetzt auch auf der Schwarz-und-weiß-Seite. Es gibt natürlich auch die Grau-Bereiche. Und ganz so krass empfinde ich es auch nicht. Aber im Prinzip sehe ich es so.

Frage: Die Journalisten sehen schon noch Ihre Leistungen…

Birgit Prinz: Klar, aber es ist dann auch mein Part. Wenn ich selbst sage, ich bin nicht ganz zufrieden mit dem, was ich mache, dann ist man auch empfänglicher für die Kritik.

Frage: Es gibt in den Spielen Situationen, in denen Sie vier, fünf Gegenspielerinnen auf sich ziehen und dadurch den eigenen Mitspielerinnen Freiräume schaffen. Merken Sie das selbst, dass Sie von den Gegnerinnen nach wie vor anders wahrgenommen werden?

Birgit Prinz: Im Spiel sehe ich das nicht unbedingt. Anschließend kriege ich das gesagt. Aber ich finde es dann schwierig, es persönlich einzuordnen. Ist das eine Ausrede, die ich für mich selbst suche? Oder ist das Realität? Und deswegen schwanke ich zwischen beiden Polen hin und her.

Frage: Aber die Video-Analysen der Trainerinnen sind doch großer Bestandteil der Arbeit in der Nationalmannschaft…

Birgit Prinz: Dadurch kriege ich es dann auch besser relativiert. Dennoch sind die kritische und skeptische Seite einfach ein Teil dessen, wie ich funktioniere. Das hat Vor- und Nachteile.

Frage: Müsste diese kritische Seite weg sein, um richtig erfolgreich zu sein?

Birgit Prinz: Jetzt muss ich in meine Vergangenheit gehen. Vor diesem Hintergrund würde ich sagen: Nein, nicht unbedingt. Aber in manchen Situationen würde es mir das Leben erleichtern.

"In manchen Momenten erlebt man die Dinge auch etwas intensiver"

Rückhalt: Die Mannschaft, hier Inka Grings (l.), steht hinter Birgit Prinz   © Bongarts/GettyImages
Rückhalt: Die Mannschaft, hier Inka Grings (l.), steht hinter Birgit Prinz

Frage: Das könnte Ihre letzte EM sein. Erlebt man da das Ganze noch intensiver?

Birgit Prinz: Ja, die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass es meine letzte EM ist. Von daher erlebt man in manchen Momenten die Dinge auch etwas intensiver. Aber in anderen auch gar nicht. Da ist es die gewohnte Routine. Aber es kommt immer mal hoch und da denkt man: Oh, das letzte Mal…

Frage: Wann denn zum Beispiel?

Birgit Prinz: Das ist völlig unterschiedlich. Das kann sein, wenn man spazieren geht, es kann aber auch direkt vor dem Spiel sein.

Frage: Aber nicht im Spiel.

Birgit Prinz: (lacht) Nein, in einem Spiel habe ich wirklich noch nicht darüber nachgedacht. Das wäre echt bitter. Wenn das passieren würde, wäre ich gar nicht im Spiel drin. Dann wäre ich mit meinen Gedanken zu weit weg, das wäre echt nicht gut.

Frage: Was macht Ihr Studium?

Birgit Prinz: Ich bin zufrieden. Es geht voran. Ich schreibe gerade meine Diplom-Arbeit. Ich bin jetzt scheinfrei, aber im Anschluss kommen noch die Prüfungen. Ich habe ein halbes Jahr Zeit, um die Diplom-Arbeit abzugeben. Sie ist schon angemeldet.

Frage: Das heißt, Sie haben hier bei der EURO auch Ihre Studienunterlagen dabei?

Birgit Prinz: Ja, genau. Ich habe jeden Morgen ab 8.30 Uhr meine Arbeitszeit. Bis zum ersten Training auf jeden Fall. Das ist die feste Zeit. Und manchmal auch mittags. Also ich mache definitiv hier etwas für das Studium. Ich habe das jetzt so getimt, dass ich vor 2011 fertig sein kann.

Silvia Neid vertraut einem Spezialisten-Team

01.09.2009 07:45 Frauen-EM 2009

Silvia Neid vertraut in Finnland einem Spezialisten-Team

Eingespieltes Team: Silvia Neid und Ulrike Ballweg  © DFB
Eingespieltes Team: Silvia Neid und Ulrike Ballweg

1982 wurde das erste Frauen-Länderspiel der DFB-Auswahl ausgetragen. Damals als Spielerin dabei: Silvia Neid, die die Nationalmannschaft zurzeit als Cheftrainerin bei der EURO in Finnland zum Titel führen will. Die 111-malige Nationalspielerin hat die fortschreitende Entwicklung im Frauenfußball in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten hautnah erlebt. Mehr noch. Sie selbst forciert die Professionalisierung der Strukturen innerhalb der Nationalmannschaft unentwegt.

Noch sehr gut kann sie sich an vergangene Zeiten erinnern: „Wenn ich daran denke, wie das damals war, als ich mein erstes Länderspiel gemacht habe. Wir hatten einen Trainer, einen Physiotherapeuten, einen Arzt und einen Zeugwart. Und das war es dann. Ansonsten gab es nichts, außer die Mannschaft.“

Silvia Neid integrierte Experten in ihr Team

Diese Zeiten haben sich allerdings grundlegend geändert. Bei der EURO steht für die Frauen-Nationalmannschaft eine ganze Reihe von Spezialisten zur Verfügung, die Silvia Neid bei ihrer Arbeit unterstützen. Zug um Zug integrierte sie Fachleute in ihr Team hinter dem Team. „Ich habe sehr hohe Erwartungen an meine Spielerinnen“, erklärt Silvia Neid die Entwicklung. „Deshalb muss ich dafür sorgen, dass sie das Beste geboten bekommen und von Spezialisten umsorgt werden.“

Im Trainerteam steht neben ihr selbst noch Assistenztrainerin Ulrike Ballweg. Neid: „Meine rechte Hand und Vertrauensperson.“ Zudem zählen U 20-Trainerin Maren Meinert und Torwartcoach Michael Fuchs dazu. „Gerade in den vergangenen vier Jahren hat sich im Trainerteam viel getan“, berichtet Silvia Neid. „Früher waren Tina Theune und ich nur zu zweit, nun sind wir zu viert. Das ist bedeutend, weil wir so in Gruppen arbeiten können. Außerdem ist es wichtig für die Torfrauen einen Spezialisten zu haben, der viele Feinheiten erkennt, die ich gar nicht sehen kann.“

Gegnersichtung, Videoanalyse, Management

Für die Gegnersichtung bei der EURO ist Bettina Wiegmann zuständig. Die Spiele der Teams, auch die der DFB-Auswahl, werden zudem aufgezeichnet, wichtige Szenen zur Videoanalyse von Marco Diaz zusammengeschnitten. Diese bilden die Grundlage bei den obligatorischen Mannschaftsbesprechungen. Ging früher viel Zeit verloren, weil die entscheidenden Szenen erst mühsam mit der Vor- und Rücktaste des Videorekorders gefunden werden mussten, so macht die moderne Technik nun eine effektive, zeitnahe und zügige Besprechung möglich.

Jüngstes Mitglied im Team hinter dem Team ist Managerin Doris Fitschen. Für die 144-malige Nationalspielerin ist die EURO in Finnland das erste große Turnier in neuer Funktion. „Sie hält mir den Rücken frei und ist für mich auch eine absolute Vertrauensperson“, bekräftigt Silvia Neid.

Delegationsleiterin: Hannelore Ratzeburg führt die deutsche Delegation in Finnland an  © Bongarts/GettyImages
Delegationsleiterin: Hannelore Ratzeburg führt die deutsche Delegation in Finnland an

Medizinische Abteilung eingespieltes Team

Die medizinische Abteilung besteht aus den Mannschaftsärzten Ulrich Schmieden, der zu Beginn der EURO dabei war und Dr. Bernd Lasarzewski, der einige Tage später zur DFB-Delegation stieß. Als Physiotherapeuten stehen Christel Arbini, die schon seit 1983 zum Team gehört und Shyrin Spreitzer zur Verfügung. An Spieltagen werden diese beiden von zwei externen Physiotherapeuten unterstützt, die beim so genannten „ausmassieren“ der Spielerinnen zur Hand gehen. Sportpsychologe Arno Schimpf zählt zudem seit Februar zum Team.

Zeugwart Matthias Lau ist dafür zuständig, dass Trainings- und Spielausstattung immer griffbereit vorliegen. Teammanagerin Patrizia Hell hat die Aufgabe, dass die Organisation rund um Mannschaft und Betreuerstab reibungslos vonstatten geht. Sie kümmert sich beispielsweise um die Unterbringung, das Trainingsgelände, hält Kontakt zur Organisationsebene bei der UEFA. Auch die DFB-Pressestelle ist durch zwei Personen vertreten, so dass nicht nur die Journalisten vor Ort optimal betreut werden können, sondern auch eine umfassende Information auf dfb.de gewährleistet ist. Zudem produziert eine Cutterin vor Ort die Beiträge für das Videoportal DFB-TV.

Hannelore Ratzeburg an der Spitze der Delegation

In Finnland nicht vor Ort dabei, aber bei der Vorbereitung auf die EM entscheidend eingebunden war Dr. Norbert Stein. Der Fitnesstrainer legte zu Beginn der Lehrgänge gemeinsam mit dem Trainerteam die Grundlage in Sachen Kraft, Ausdauer und Athletik.

An der Spitze der Delegation steht DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg. Sie vertritt die Interessen des DFB während der EURO bei der UEFA, ist bei allen wichtigen Meetings vor Ort dabei und immer nah an Mannschaft und Trainerteam. Zusammen mit der Vize-Präsidentin haben insgesamt 17 Personen im Team hinter dem Team ein gemeinsames Ziel: die Leistung der Mannschaft zu optimieren, damit der Traum vom siebten EM-Titel wahr wird.

Jennys EURO Blog


Wintereinbruch
31. August 2009

Hallo Leute,

da bin ich wieder. Habe heute sehr lange unter der warmen Dusche gestanden. Denn es wird langsam kalt in Finnland. Heute Morgen beim Training waren wir echt überrascht, dass es so kühl geworden ist. Eigentlich wollten wir uns gleich eine Mütze aufsetzen, aber dann fanden wir es doch ziemlich übertrieben und haben es lieber gelassen.

Uns wurde dann auch ohne Kopfbedeckung ziemlich schnell warm. Trotzdem haben wir an zu Hause gedacht: Ihr habt doch bestimmt super Wetter und warm ist es bei Euch auch oder?!

Heute Nachmittag fahren wir dann noch einmal zum Training – dick eingemummelt, ist ja klar. Wir werden Torschüsse in den unterschiedlichsten Varianten üben. Dieses Mal aber ohne Wetteinsatz.

Ich wollte Euch auch noch sagen, dass mir Eure Mails weitergeleitet werden, die Ihr an die DFB-Pressestelle sendet – eine kam sogar von Gary aus San Francisco. Hey, darüber freue ich mich sehr. Danke! Und auch den Serientipp habe ich gerne entgegengenommen. Danke Hubert, das kann ich gut gebrauchen.

Gestern hatten wir ja unser letztes Gruppenspiel in Tampere. Auch diese Hürde haben wir genommen. Es war ja ein sehr knappes Spiel. Aber: Es gewinnt immer der, der ein Tor mehr schießt als der Gegner. Und das waren wir! Morgen Vormittag werden wir Tampere verlassen und weiter nach Lahti ziehen. Ihr wisst ja, dass wir unser Viertelfinale dort spielen. Bin gespannt wer unser Gegner sein wird. Schaut doch morgen wieder vorbei. Dann erzähle ich Euch, wie unser neues Hotel ist und wie der Umzug so war. Ich würde mich freuen. Bis dann.

Liebe Grüße

Eure Jenny

Im Viertelfinale gegen Italien

31.08.2009 19:57 Frauen-EM 2009

DFB-Team trifft im Viertelfinale auf Italien

Hat Respekt vor Italien: Silvia Neid  © Bongarts/GettyImages
Hat Respekt vor Italien: Silvia Neid

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft trifft im Viertelfinale der EM in Finnland am Freitag in Lahti (ab 15 Uhr MESZ, live im ZDF und bei Eurosport) auf Italien. Die "Squadra Azzurra" setzte sich am letzten Spieltag der Gruppe C 2:0 (0:0) gegen Russland durch und sicherte sich damit den zweiten Platz hinter Schweden.

"Italien ist gefährlich, weil die in der Defensive gut stehen und auf Konter lauern", warnte DFB-Trainerin Silvia Neid.

Ballweg: "Italienerinnen werden auf Konter spielen"

Ähnlich sieht das Assistenz-Trainerin Ulrike Ballweg: "Die Italienerinnen sind sehr unangenehm zu spielen. Wir gehen davon aus, dass sie defensiv agieren werden. Sie machen die Räume eng, daher müssen wir geduldig sein. Die Italienerinnen werden auf Konter spielen, gerade über Außen. Melania Gabbiadini ist richtig gut und schnell. Da muss unsere Abwehr wachsam sei."

Die Schwedinnen trennten sich derweil 1:1 (1:1) von England. Damit hat sich auch das Team aus dem Fußball-Mutterland für die Runde der besten Acht qualifiziert.

Zuversicht Richtung EM-Viertelfinale

31.08.2009 19:56 Frauen-EM 2009

DFB-Auswahl blickt zuversichtlich Richtung EM-Viertelfinale

Zwei von sieben Torschützinnen: Fatmire Bajramaj (l.) und Anja Mittag  © Bongarts/GettyImages
Zwei von sieben Torschützinnen: Fatmire Bajramaj (l.) und Anja Mittag

Vier Tore gegen Norwegen, fünf gegen Frankreich, eines gegen Island. Macht in der Summe zehn Treffer in drei Gruppenspielen. Bei nur einem Gegentor alles in allem eine hervorragende Quote für die Frauen-Nationalmannschaft, die am Freitag in Lahti im Viertelfinale (ab 15 Uhr, live im ZDF und auf Eurosport) bei der EURO in Finnland auf Italien trifft..

Die Art und Weise, wie das Team die Vorrunde absolvierte, hat aus verschiedenen Gründen beeindruckt. Auffällig war beispielsweise, dass die zehn Tore von insgesamt sieben verschiedenen Spielerinnen erzielt wurden: Linda Bresonik (2), Lira Bajramaj (2), Anja Mittag, Inka Grings (2), Annike Krahn, Melanie Behringer und Simone Laudehr waren in den drei Partien erfolgreich. "Das ist für uns Bestätigung, wie ausgeglichen der Kader ist", sagt Assistenz-Trainerin Ulrike Ballweg. "Zudem zeigt es, dass wir gute Alternativen haben." Ein Grund, weshalb die DFB-Auswahl dem EM-Viertelfinale zuversichtlich entgegenblickt.

Inka Grings auf Weg der Besserung

Auch wenn sich das auf sechs Positionen in der Anfangsformation veränderte DFB-Team gegen die tief stehenden und robusten Isländerinnen im letzten Gruppenspiel schwer tat. Vor allem in den ersten beiden Partien wurde deutlich, dass der Kader die Möglichkeit bietet, auf unterschiedlichste Situationen zu reagieren. "Wir haben in der Mannschaft so viele verschiedene Spielertypen, dass wir uns auf jeden Gegner individuell einstellen können. Das ist für mich auch eine Erklärung, weshalb unsere Tore von vielen verschiedenen Spielerinnen erzielt wurden", erklärt Ulrike Ballweg.

Gegen Island verletzte sich Inka Grings beim einzigen Treffer des Spiels in der 50. Minute. Die Stürmerin zog sich dabei eine schmerzhafte Knieprellung zu, fühlte sich am Montag allerdings schon wesentlich besser. Die 30-Jährige wird derzeit intensiv physiotherapeutisch behandelt und zeigte sich am Morgen schon wieder zuversichtlich: "Ich gehe fest davon aus, dass ich bis Freitag wieder fit bin", sagte die Angreiferin.

Prinz im Training am Sprunggelenk verletzt

31.08.2009 12:34 Frauen-EM 2009

Prinz im Training am Sprunggelenk verletzt

Umgeknickt: Birgit Prinz  © Bongarts/GettyImages
Umgeknickt: Birgit Prinz

Schrecksekunde für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft beim Training am Montag. Während der Übungseinheit in Tampere knickte Spielführerin Birgit Prinz unglücklich um und musste das Training danach mit schmerzverzerrtem Gesicht abbrechen.

Einer ersten Diagnose zur Folge zog sich die Rekordnationalspielerin eine Bänderzerrung im rechten Sprunggelenk zu, wird aber möglicherweise schon am Dienstag wieder mit dem Team trainieren können.

"Der Einsatz am Freitag im EM-Viertelfinale ist derzeit wohl nicht gefährdet", beruhigte der deutsche Mannschaftsarzt Bernd Lasarzewski.

Interview mit Nadine Angerer

31.08.2009 09:58 Frauen-EM 2009

Nadine Angerer: "Wir können uns nur selbst schlagen"

Gewohnt sicherer Rückhalt: Nadine Angerer  © Bongarts/GettyImages
Gewohnt sicherer Rückhalt: Nadine Angerer

Nadine Angerer war in den ersten drei Spielen bei der EURO 2009 ein sicherer Rückhalt für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft. Im entscheidenden Moment war auf die Torfrau des 1. FFC Frankfurt Verlass.

Wie sie es schafft, trotz geringer Beschäftigung immer konzentriert und fokussiert zu bleiben, über das Steigerungspotenzial der Mannschaft und das Viertelfinale am kommenden Freitag in Lahti, darüber spricht die 30-Jährige im "DFB.de-Gespräch der Woche" mit DFB-Redakteur Niels Barnhofer.

Frage: Nadine Angerer, die DFB-Auswahl ist mit drei Siegen in die EURO 2009 gestartet, hat sich souverän für das Viertelfinale qualifiziert. Wie haben Sie diese drei Partien erlebt?

Nadine Angerer: Sie waren körperlich nicht so beanspruchend. Ich habe zwei, drei Aktionen gehabt, die wichtig waren. Ansonsten haben meine Vorderleute das Nötigste getan, um mir jeweils einen ziemlich ruhigen Nachmittag zu bescheren.

Frage: Sie haben nicht viele Bälle zu halten bekommen. Wie schwierig ist es da, im Spiel zu bleiben, den Fokus und die Konzentration beizubehalten?

Angerer: Das stimmt, dass das nicht ganz einfach ist. Aber das weiß ich. Ich kann mich sehr gut konzentrieren. Ich kenne diese Situation, die habe ich über die Jahre schon tausend Mal erlebt. Wenn man jung ist, geht das auch oft genug daneben. Aber wenn man erfahrener ist, weiß man, dass zwischen der 85. und 93. Minute immer noch ein Ball aufs Tor kommt. Ich habe versucht, mich so gut wie möglich im Spiel zu halten.

Frage: Kann man das trainieren?

Angerer: Nein, ich glaube, das bringt die Erfahrung mit sich. Ich habe es mir über die Jahre angeeignet, so fokussiert zu bleiben. Ich weiß einfach, dass jede Sekunde etwas passieren kann.

Frage: Gegen Norwegen verhinderten Sie kurz vor dem Ende in einer Eins-gegen-eins-Situation den Ausgleich. Was geht in solchen Momenten in Ihnen vor?

Angerer: Speziell in dieser Situation dachte ich mir, dass dieser Ball auf gar keinen Fall reingehen darf. Weil der Ausgleich so was von ungerechtfertigt gewesen wäre, das konnte ich einfach nicht zulassen. Ich kassiere ohnehin nicht gerne Tore, aber gerade in diesem Spiel wäre es so unverdient für die Norwegerinnen gewesen, so dass ich den Ball unbedingt halten wollte. Und das habe ich ja zum Glück auch getan.

Frage: Reagiert man bei solchen Szenen instinktiv oder gibt es eine Checkliste, die Sie innerlich durchgehen?

Angerer: Da bleibt einem nicht viel Zeit zum Nachdenken. Ich glaube, es ist auch eine Willenssache, den Ball unbedingt halten zu wollen. Denn dann geht der auch nicht rein. Und so war das ja auch in dieser Situation.

Frage: Auf einem Leistungsbarometer mit einer Skala bis 100 – wo würden Sie Ihre derzeitige Form ansiedeln?

Angerer: Ich will und kann das nicht in Punkten oder Prozent ausdrücken. Keine Ahnung, was ich da sagen soll. Stattdessen habe ich eine ganz einfache Formel: Da ist der Ball, da ist das Tor – und der Ball darf nicht ins Tor. Wie das letztlich passiert, ist mir relativ egal. Ich bin derzeit auf einem ziemlich hohen Niveau. Ich fühle mich gut, ich bin körperlich fit.

Frage: Bisher hat die DFB-Auswahl bei der EURO im Drei-Tage-Rhythmus gespielt. Jetzt haben Sie eine Pause von fünf Tagen bis zum Viertelfinale am kommenden Freitag. Ist es gut, eine längere Regenerationsphase zu haben? Oder befürchten Sie so aus dem Rhythmus zu geraten?

Angerer: Ach Quatsch, Rhythmus hin, Rhythmus her. Wir hatten drei Spiele in sieben Tagen, da tut es einfach jedem Mal gut, eine längere Wettkampfpause zu haben. Mir ist es egal, wann gespielt wird.

Frage: Wo führt die Leistungskurve der Mannschaft hin?

Angerer: Wir haben noch nicht das gezeigt, was wir können. Wir müssen weiter konzentriert arbeiten. Denn ich bin davon überzeugt, dass das Turnier jetzt erst richtig beginnt. Wenn man auf die einzelnen Spiele eingeht, muss ich sagen, dass wir gegen Norwegen bis auf die Chancenauswertung ein sehr gutes Spiel gemacht haben. Gegen Frankreich haben wir ziemlich schnell 4:0 geführt. Da würde man sich natürlich wünschen, dass jede Spielerin auf dem Platz konzentriert bleibt, aber ich finde es nur menschlich, dass das dann nicht funktioniert. Gegen Island war es eine genauso schwierige Situation. Ich hatte mir natürlich ein bisschen mehr erhofft, da kann man noch eine Schippe drauflegen.

Frage: Ist das nicht Kritik auf hohem Niveau? Wenn man sich die Statistik des Island-Spiels anguckt, stehen 19:3 Torschüsse zu Buche, worin sich die Dominanz der deutschen Mannschaft doch ausdrückt.

Angerer: Das stimmt, aber das hilft alles nichts, wenn die Tore nicht fallen. Der Schuss kann ganz schnell nach hinten losgehen. Gegen Norwegen kann das 1:1 fallen, vielleicht wäre das Spiel sogar noch gekippt. Wir haben gegen Frankreich 5:1 gewonnen, aber die Französinnen hatten auch vier sehr gute Chancen, die Partie hätte also auch unentschieden ausgehen können. Wir sind uns daher bewusst, dass wir uns auf einem sehr schmalen Grad bewegen. Nichtsdestotrotz haben wir die Spiele gewonnen und wir haben uns dabei ein ordentliches Polster aufgebaut. Aber jetzt zählt nur noch das nächste Spiel, weil es um Gewinnen oder Heimfahren geht. Im Viertelfinale müssen alle wieder bei 100 Prozent sein. Es gibt keine Ausreden.

Angerer: "Wir haben noch nicht alles gezeigt"  © Bongarts/GettyImages
Angerer: "Wir haben noch nicht alles gezeigt"

Frage: Spricht daraus der Anspruch der Mannschaft an sich selbst?

Angerer: Absolut. Wer es nicht kapiert hat, dass das Viertelfinale kein Spaziergang sein wird, der wird sich umschauen.

Frage: Sehen Sie dem weiteren Turnierverlauf dennoch optimistisch entgegen?

Angerer: Ja, weil ich weiß, was in der Mannschaft steckt, dass wir einen sehr guten Teamgeist haben, dass sich jede für die andere einsetzt, dass wir uns auf einem sehr hohen Niveau befinden und dass wir uns eigentlich nur selbst schlagen können. Es muss aber jeder Spielerin bewusst sein, dass wir 100 Prozent abrufen müssen.

Frage: Haben Sie andere Spiele der EURO im Fernsehen verfolgt? Welchen Eindruck haben Sie bisher vom Niveau?

Angerer: Ich konnte nicht jedes Spiel sehen. Aber von dem, was ich gesehen habe, muss ich sagen, dass Schweden den stärksten Eindruck hinterlassen hat, von ihnen bin ich wirklich sehr positiv überrascht. Von den Niederländerinnen hatte ich nicht unbedingt erwartet, dass sie den Sprung ins Viertelfinale schaffen. Genauso hatte ich nicht damit gerechnet, dass Dänemark nur auf Platz 3 in der Vorrundengruppe landet. Bei Finnland hatte ich es mit dem Heimvorteil erwartet, dass sie sich durchsetzen. Eigentlich sehe ich aber keine Mannschaft, die uns das Wasser reichen kann, wenn jede Spielerin von uns alles abruft.

Frage: Im Viertelfinale trifft die DFB-Auswahl auf den Zweiten der Gruppe C. Gibt es einen Gegner, den Sie bevorzugen würden?

Angerer: Ich persönlich präferiere Italien. Ich will auf keinen Fall jetzt schon gegen Schweden spielen. England wäre auch eine harte Nuss.

Frage: Theoretisch wäre ein Halbfinale gegen Schweden möglich. Verschwenden Sie daran schon einen Gedanken?

Angerer: Wenn es so kommt, wäre es meiner Meinung nach das vorweggenommene Endspiel. Aber es wäre fatal, jetzt schon daran zu denken. Mir wird ein wenig zu viel darüber gesprochen. Ich habe das Gefühl, das Viertelfinale wird darüber vergessen. Und das wird ein schweres Spiel werden. Und ich flippe aus, wenn ich die kommenden Tage nur noch Halbfinale höre. Erstmal müssen wir das Viertelfinale gewinnen.

Fan-Service total

01.09.2009 07:40 Frauen-EM 2009

Fan-Service total: Die Frauen-EURO hautnah erleben

Hauptdarstellerin: Prinz und das DFB-Team ab Montag bei der EM  © Bongarts/GettyImages
Hauptdarstellerin: Prinz und das DFB-Team ab Montag bei der EM

So dicht waren Sie noch nie an der deutschen Frauen-Nationalmannschaft dran: Wenn die Spielerinnen von DFB-Trainerin Silvia Neid ihr EM-Quartier im finnischen Tampere beziehen, dann ziehen Sie quasi mit ein. Denn die DFB-Homepage und das DFB-Videoportal DFB-TV haben für Sie das große EM-Spezialpaket rund um die Welt- und Europameisterinnen geschnürt.

Lesen Sie zum Beispiel täglich in "Jennys Blog", wie eine Nationalspielerin die Europameisterschaft erlebt. Die Mittelfeldspielerin vom Deutschen Meister 1. FFC Turbine Potsdam gewährt den Blick hinter die Kulissen. Dazu präsentiert DFB-TV exklusive Bilder aus dem Quartier der deutschen Mannschaft. Im DFB-Videoportal sehen Sie Interviews aus erster Hand, wie die Spielerinnen um Spielführerin Birgit Prinz wohnen oder was in der Freizeit auf dem Programm steht. Ab kommenden Freitag berichtet dfb.tv regelmäßig mit Filmbeiträgen über die Aktivitäten von des DFB-Teams aus Tampere und den anderen Spielorten.

Sie haben noch Fragen? Dann senden Sie diese direkt an den elektronischen Team-Briefkasten. Spielerinnen, Trainerinnen und der komplette Betreuerstab stehen Ihnen Rede und Antwort - fast ohne Ausnahme. Mit dem Angebot des DFB.de-Spezialbereichs zur EURO 2009 in Finnland erhalten Sie einen erstklassigen Blick ins Innenleben der Mannschaft und sind so quasi Mitglied der DFB-Delegation vor Ort.

Für den rechten Überblick über das Geschehen im EM-Gastgeberland Finnland sorgt DFB-Maskottchen Paule. Der kleine Adler ist bei der Europameisterschaft natürlich vor Ort. Seine Erlebnisse schildert er in seinem EM-Tagebuch.

Und auf den Sport muss natürlich auch niemand verzichten. ARD und ZDF übertragen alle Spiele der deutschen Mannschaft live. Eurosport überträgt sämtliche Begegnung der EURO 2009 live.

Tickets zum USA-Spiel sichern

01.09.2009 07:38 Frauen-Nationalmannschaft

USA-Spiel in Augsburg: Jetzt Tickets sichern!

In Jubelpose: Anja Mittag (l.) und Fatmire Bajramaj  © Bongarts/GettyImages
In Jubelpose: Anja Mittag (l.) und Fatmire Bajramaj

Anspruchsvoller Fußball, begeisternde Atmosphäre - die deutsche Frauen-Nationalmannschaft bietet ihren Fans auch nach der EM 2009 ein attraktives Programm.

Im ersten Spiel nach den Titelkämpfen in Finnland trifft die deutsche Mannschaft am 29. Oktober (ab 18 Uhr) in Augsburg gegen die USA an. Der Vorverkauf läuft.

Tickets kosten zwischen sieben und 35 Euro und können über den Online-Ticketshop, über die DFB-Tickethotline (Telefon: 01805-110201, 0,14 €/min aus dem deutschen Festnetz), über den FC Augsburg, den Bayerischen Fußball-Verband, den Ticket Service Bayern sowie bei vielen CTS-Vorverkaufsstellen bestellt werden.

Ermäßigte Eintrittskarten gelten für Kinder, Schüler, Auszubildende, Studenten, Wehrpflichtige, Rentner, Zivildienstleistende und Personen mit Schwerbehindertenausweis (ab 50%).

Ein Bestellformular für Gruppenkarten (ab 11 Personen) nur für Vereine und Schulen finden Sie hier.