Sonntag, 2. Januar 2011

DFB-Auswahl für Laureus World Sport Award nominiert

11.02.2010 14:24 Frauen-Nationalmannschaft

Für den Laureus Award nominiert: Die deutschen Europameisterinnen
Für den Laureus Award nominiert: Die deutschen Europameisterinnen

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft befindet sich in allerbester Gesellschaft. Gemeinsam mit dem FC Barcelona, dem Brawn Formel 1-Team, den Los Angeles Lakers, den New York Yankees und der südafrikanischen Rugby-Nationalmannschaft wurde die DFB-Auswahl für den Laureus Award in der Kategorie Mannschaft des Jahres nominiert. Dies gab der Veranstalter am Donnerstag bekannt. Die Preisverleihung findet am 10. März im Rahmen einer großen Gala in Abu Dhabi statt.

"Es ist eine besondere Ehre, zum Kandidatenkreis für diese Auszeichnung zu gehören. Wir werten das als große Anerkennung für unsere Leistung, schließlich wird dieser Preis sportartübergreifend und weltweit vergeben", sagt Doris Fitschen. Um diesen Stellenwert auch zu dokumentieren, wird die Managerin der Frauen-Nationalmannschaft mit DFB-Trainerin Silvia Neid an der Preisverleihung in Abu Dhabi teilnehmen. Bei der Pressekonferenz zur Bekanntgabe der deutschen Nominierten in Berlin waren zudem die Nationalspielerinnen Lira Bajramaj und Anja Mittag dabei. Die DFB-Auswahl wurde nominiert, weil sie bei der EURO 2009 in Helsinki zum fünften Mal in Folge die Europameisterschaft gewinnen konnte.

Der Laureus World Sport Award wird seit 2000 vergeben. In diesem Jahr wird er in sieben Kategorien vergeben. Für den "Oscar des Sports" haben Journalisten aus 105 Ländern die Nominierten vorgeschlagen. Die Gewinner werden dann von der Laureus World Sports Academy gewählt. Dieses Gremium besteht aus 46 "Legenden des Sports", darunter unter anderem Severiano Ballesteros, Franz Beckenbauer, Boris Becker, Sergey Bubka, Bobby Charlton, Sebastian Coe, Nadia Comaneci, Marcel Desailly, Emerson Fittipaldi, Cathy Freeman, Marvelous Marvin Hagler, Mika Häkkinen, Tony Hawk, Miguel Indurain, Michael Johnson, Franz Klammer, Dan Marino, John McEnroe, Edwin Moses, Robby Naish, Ilie Nastase, Martina Navratilova, Jack Nicklaus, Gary Player, Monica Seles, Mark Spitz, Daley Thompson, Alberto Tomba und Katarina Witt.

Mit vorbildlichen Leistungen zur WM: Okoyino da Mbabi

11.02.2010 13:46 Frauen-Nationalmannschaft

Das 44. Spiel im Visier: Celia Okoyino da Mbabi  © Bongarts/GettyImages
Das 44. Spiel im Visier: Celia Okoyino da Mbabi

Wenn die deutsche Frauen-Nationalmannschaft am Mittwoch, 17. Februar (16.30 Uhr, live in der ARD), in der MSV-Arena in Duisburg gegen Nordkorea spielt, dann steht auch Celia Okoyino da Mbabi im Kader. Fast wie selbstverständlich. Schließlich gehört die Offensivspielerin des SC 07 Bad Neuenahr zum festen Stamm der DFB-Auswahl. Ihre 43 Länderspiele dokumentieren diesen Status. Dabei könnte man jedoch leicht vergessen, dass sie erst 21 Jahre alt ist.

Doch gerade ihr Alter ist es, weshalb viele andere junge Spielerinnen ihr Karriere genau verfolgen. Denn Celia Okoyino da Mbabi hat in ihrer immer noch jungen Laufbahn schon sehr viel erreicht. Genau genommen so viel, wie es sich manches Talent wünschen würde. Dabei hat ihre bisherige Karriere einen sehr geradlinigen Verlauf genommen.

Schienbeinbruch kostet WM-Teilnahme 2007

Was allerdings nicht von ungefähr kommt. Sicherlich ist Celia Okoyino da Mbabi mit einem großen Talent gesegnet. Doch das allein genügt eben nicht, um nach ganz oben zu kommen – und auch dort zu bleiben. Schließlich galt es auch für die gebürtige Bonnerin Rückschläge zu verkraften. Solche wie zum Beispiel einen Schienbeinbruch, der ihr unter anderem die Teilnahme an der WM 2007 kostete. Sie rappelte sich wieder auf. Kam zurück. Und wie. Was nicht verblüfft. Wer Celia Okoyino da Mbabi auf dem Trainingsplatz oder im Stadion beobacht, in dem verdichtet sich der Eindruck: Das Leben dieser Frau ist der Fußball.

Was aber auch daran liegt, dass sie ihrem Sport mit sichtbarer Leidenschaft und Freude nachgeht. Mit einer entsprechenden Dankbarkeit erlebte sie die bisherigen Höhepunkte ihrer Laufbahn. Dazu gehört natürlich auch der Gewinn der U 19-Weltmeisterschaft 2004. Ein prägendes Erlebnis, das sie am liebsten noch einmal wiederholen würde. "Wenn ich an der U 20-Weltmeisterschaft in diesem Jahr in Deutschland teilnehmen dürfte, wäre das für mich eine Riesen-Sache", sagt sie. Altersbedingt geht das jedoch nicht. Aber ihre Botschaft an die Talente von heute ist eindeutig. "Was von solch einem Ereignis bleibt, ist ein unvergessliches Erlebnis."

Zweikampfstark: Okoyino da Mbabi  © Bongarts/GettyImages
Zweikampfstark: Okoyino da Mbabi

Nicht auf den Erfolgen ausruhen

Natürlich weiß Celia Okoyino da Mbabi auch welches Sprungbrett das Turnier in den Spielorten Bielefeld, Bochum, Augsburg und Dresden sein kann. Ein Blick auf den Kader von 2004 genügt, um diese These zu unterstreichen. Simone Laudehr, Annike Krahn, Melanie Behringer, Anja Mittag und Lena Goeßling gehörten damals ebenfalls zum DFB-Aufgebot. Heute spielen sie alle in der Frauen-Nationalmannschaft. Nachahmer werden also gesucht. Und zwei sind schon auf dem besten Weg dazu. Kim Kulig und Bianca Schmidt, die beide noch bei der U 20-WM in diesem Jahr spielen könnten, gehören seit vergangenem Jahr dem A-Kader an.

Ein Hinweis für so etablierte Kräfte wie Celia Okoyino da Mbabi, sich nicht auf den bisherigen Erfolgen ausruhen zu können. Schließlich will die Kulturwissenschafts-Studentin bei der WM 2011 die deutschen Farben vertreten. Mit einer guten Leistung in ihrem 44. Länderspiel würde sie diesem Wunsch einen Schritt näher kommen können. Gelegenheit sich dafür anzubieten, hat die Europameisterin von 2009 aber nicht nur beim Länderspiel gegen Nordkorea, sondern direkt im Anschluss daran auch beim Algarve Cup vom 24. Februar bis 3. März.

Nationalspielerin Bresonik besucht Grundschule in Duisburg

05.02.2010 12:20 Frauen-Nationalmannschaft

Zu Gast in der Grundschule: Duisburgs Linda Bresonik  © Carsten Kobow
Zu Gast in der Grundschule: Duisburgs Linda Bresonik

Nach dem Schulbesuch ist vor dem Länderspiel: Nationalspielerin Linda Bresonik hat am Freitag im Rahmen der DFB-Kampagne "Team 2011" die Gemeinschaftsgrundschule Sandstraße in Duisburg-Marxloh besucht.

Zwölf Tage vor dem Länderspiel der Frauen-Nationalmannschaft gegen Nordkorea am Mittwoch, 17. Februar (ab 16.30 Uhr, live in der ARD), in der MSV-Arena in Duisburg wurde die 26-Jährige von rund 100 Schülern mit einem selbst komponierten Lied empfangen.

"Ich komme gern wieder"

In einer anschließenden Fragerunde berichtete die Mittelfeldspielerin vom FCR 2001 Duisburg, wie sie zum Fußball kam, und gab einen Einblick, was es für ein Gefühl ist, Nationalspielerin zu sein.

"Es ist das erste Mal, dass ich einen Schulbesuch mache. Ich bin sehr herzlich empfangen worden, und die Kinder haben ein großes Interesse gezeigt. Ich komme gerne wieder", sagte Bresonik nach ihrem "Heimspiel". Auch Schulleiter Matthias Seifert zeigte sich erfreut über den promintenten Besuch: "Ich hatte das Gefühl, dass man sich auf einer Ebene bewegt."

Zum Abschluss stand eine kleine Übungseinheit auf dem Programm. Ob Kopfball, Doppelpass oder mit dem Ball joglieren - für Bresonik trotz ihrer Schuhwahl kein Problem.

Annike Krahn: "Nordkorea ist ein hochkarätiger Gegner"

04.02.2010 08:45 Frauen-Nationalmannschaft

Erwartet einen echten Härtetest: Annike Krahn
Erwartet einen echten Härtetest: Annike Krahn

Der Welt- und Europameister gegen den Asienmeister. Der Zweite gegen den Fünften der FIFA-Weltrangliste. Oder schlicht: Deutschland gegen Nordkorea.

Wenn die beiden Top-Nationen im internationalen Frauenfußball am 17. Februar (ab 16.30 Uhr, live in der ARD) in der Duisburger MSV-Arena aufeinandertreffen, dann erhalten die Fans bereits einen Vorgeschmack auf die Weltmeisterschaft 2011.

Und das gilt vor allen Dingen für die Spielerinnen. „Das ist ein hochkarätiger Gegner, der uns mit Sicherheit nichts schenken wird. Ich glaube, das wird ein interessantes Spiel“, sagt die Bochumerin Annike Krahn.

Ein hartes Stück Arbeit

Die Verteidigerin in Diensten des FCR 2001 Duisburg weiß, wovon sie spricht. Sie war bei den bisherigen zwei Vergleichen zwischen den beiden Nationen dabei. Besondere Erinnerungen hat sie an die erste Partie: Im Viertelfinale der WM 2007 erzielte Annike Krahn ihr erstes Länderspiel-Tor. Nach einem Eckball - mit dem Knie. Es war der Treffer zum 3:0 und damit die Entscheidung, damals ein Meilenstein auf dem Weg zum Gewinn der Weltmeisterschaft.

Nicht minder bedeutungsschwer war das zweite Aufeinandertreffen bei den Olympischen Spielen 2008. Es ging um den Einzug ins Viertelfinale. Erst durch den späten Treffer von Anja Mittag (86.) macht die DFB-Auswahl das Weiterkommen perfekt. Mit anderen Worten: Es war ein hartes Stück Arbeit.

Wiedersehen macht Freude: Zuletzt bei Olympia 2008 siegte Deutschland  © Bongarts/Getty Images
Wiedersehen macht Freude: Zuletzt bei Olympia 2008 siegte Deutschland

"Habe noch keine Schwäche entdeckt"

In entsprechender Erinnerung hat Annike Krahn die Nordkoreanerinnen. Denn wenn es gegen die Asiatinnen geht, muss sie stets an eine Aussage von Linda Bresonik denken. Als die Mittelfeldspielerin mit Nationalteamkolleginnen bei der WM 2007 ein Spiel der Nordkoreanerinnen im Fernsehen anschaute, sagte sie: „Ich habe bei denen noch keine Schwäche entdeckt, suche aber schon seit 90 Minuten.“

Und Annike Krahn erwartet, dass sich die Nordkoreanerinnen seither um keinen Deut verschlechtert haben - im Gegenteil. „Die Erfolge im Nachwuchsbereich sprechen für die Entwicklung des Frauenfußballs in Nordkorea“, sagt die Bochumerin. Damit spielt sie auf den Gewinn der U 20-WM 2006 und der U 17-WM 2008 sowie den Einzug ins Finale der U 20-WM 2008 an. Ergebnisse, die die deutschen Spielerinnen mit großem Respekt zur Kenntnis nehmen.

Nordkorea mit neun Weltmeisterinnen nach Duisburg

03.02.2010 14:20 Frauen-Nationalmannschaft

Hat neun Weltmeisterinnen im Team: Kim Kwang Min  © Bongarts/GettyImages
Hat neun Weltmeisterinnen im Team: Kim Kwang Min

Mit zahlreichen Weltmeisterinnen kommt die nordkoreanische Frauen-Nationalmannschaft zum Länderspiel gegen die DFB-Auswahl am Mittwoch, 17. Februar 2010 (ab 16.30 Uhr, live in der ARD), nach Duisburg.

Trainer Kim Kwang Min berief gleich neun Spielerinnen in seinen 20er-Kader, die auf interkontinentaler Ebene erfolgreich waren. Darunter befinden sich sechs U 17-Weltmeisterinnen von 2008 (Yun Hyon Hi, Jon Myong Hwa, Kim Un Ju, Ho Un Byol, Jang Hyon Sun und Hong Myong Hui) und drei U 20-Weltmeisterinnen von 2006 (Jo Yun Mi, Ra Un Sim und Jon Myong Hui).

Weiterer Ausdruck der enormen Qualität und des großen Potenzials im Nachwuchsbereich Nordkoreas sind vier Spielerinnen (Ri Ye Gyong, Ryom Su Ok, Choe Yong Sim und Sin Sol Ryon), die 2008 den zweiten Platz bei der U 20-WM erreichten.

Jon Myong Hwa mit 16 Jahren jüngste Akteurin

Jüngste Spielerin des nordkoreanischen Aufgebots ist Jon Myong Hwa. Geboren am 9. August 1993 ist die Angreiferin vom 4.25 Club gerade einmal 16 Jahre alt. Dennoch hat sie bereits 22 Länderspiele absolviert und dabei sieben Tore erzielt.

Dem Talent steht in Kim Yong Ae jedoch die älteste Spielerin des Aufgebots als Sturmpartnerin zur Seite. Ihre Klub-Kollegin ist 26 Jahre alt und mit 20 Treffern die torgefährlichste Spielerin der Nordkoreanerinnen. Hingegen ist mit 48 Länderspielen die 18 Jahre alte Ho Un Byol schon die erfahrenste Spielerin der Asiatinnen.

Neid: "Das ist eine Weltklasse-Mannschaft"

Trotz des geringen Durchschnittsalters zählen die Nordkoreanerinnen zu den Top-Teams in der Welt. In der FIFA-Weltrangliste werden sie auf Rang fünf geführt. Zudem reisen sie mit der Referenz nach Deutschland, aktueller Asienmeister zu sein. Silvia Neid redet auf jeden Fall in den höchsten Tönen von ihnen: „Gegen sie zu spielen, ist eine große Herausforderung.“

Die DFB-Trainerin beruft sich dabei auf die in den direkten Vergleichen gesammelten Erfahrungen. Ihr Team gewann im Viertelfinale der WM 2007 mit 3:0 und in der Gruppenphase der Olympischen Spiele 2008 mit 1:0 gegen die Asiatinnen.

„Beide Spiele standen auf des Messers Schneide“, erinnert sich Silvia Neid. Die Leistungen der Nordkoreanerinnen beeindruckten sie: „Was die spielen, ist Rasenschach. Die Spielerinnen sind taktisch sehr gut ausgebildet. In der Abwehr findet man bei ihnen kaum eine Lücke. Sie sind ballsicher und ziehen ein sauberes Aufbauspiel auf. Das ist schon eine Weltklasse-Mannschaft.“

Interview mit Norbert Stein

02.02.2010 11:40 Frauen-Nationalmannschaft

Norbert Stein: "Athletik kann den Unterschied ausmachen"

Stein: "Objektiv messen"   © Bongarts/GettyImages
Stein: "Objektiv messen"

Ende Januar absolvierte die Frauen-Nationalmannschaft einen Leistungstest. Es war der erste von voraussichtlich vier Leistungstests in diesem Jahr, die unter der Führung von DFB-Konditionstrainer Norbert Stein durchgeführt werden.

Die Aufgabe des Dozenten am Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft der Deutschen Sporthochschule in Köln ist, die Nationalspielerinnen fit für die WM 2011 zu machen. Vor dem Länderspiel gegen Nordkorea am 17. Februar in der MSV-Arena in Duisburg spricht DFB-Redakteur Niels Barnhofer exklusiv für DFB.de mit dem Sportwissenschaftler.

DFB.de: Warum werden Leistungstests durchgeführt?

Norbert Stein: Wir können mit einem Leistungstest natürlich nicht messen, wie eine Spielerin fußballerisch unterwegs ist. Aber über die Leistungstests erhalten wir wichtige Aussagen über ganz wesentliche Zubringerleistungen. Das heißt, eine Spielerin muss - um effektiv spielen zu können - schnell, ausdauernd, schnellkräftig und sprungkräftig sein. Diese körperlichen Leistungsfähigkeiten kann man durch solche Leistungstests relativ objektiv messen. Das heißt, mit den Leistungstests unterstützen wir das Trainerauge. Die Trainer beobachten ein Spiel und machen sich ein Bild von der körperlichen Verfassung einer Spielerin. Das sind aber keine objektiven, sondern subjektive Wahrnehmungen. Um den Trainern die Aussage mitzugeben, ist die Spielerin wirklich schnell, ist sie wirklich sprungkräftig, braucht es diese Leistungstests.

DFB.de: Welche Daten erheben Sie dabei genau?

Norbert Stein: Wir erheben nur die Daten, die wir unbedingt brauchen. Das heißt konkret: Als erstes machen wir einen Schnelligkeitstest, mit dem wir die lineare Schnelligkeit messen, also: Wie schnell kann eine Spielerin auf einer geraden Strecke beschleunigen? Wir erheben dabei unterschiedliche Daten. Zum Beispiel, wie schnell die Spielerin auf den ersten fünf Metern ist. Wir ermitteln, wie hoch das maximale Geschwindigkeitsverhalten ist. Wir untersuchen, wie exakt sich das Geschwindigkeitsverhalten aufbaut. An der zweiten Station versuchen wir, durch einen speziellen Testparcours Wendigkeit und Agilität zu bestimmen. Denn einer Spielerin nutzt es nichts, wenn sie nur geradeaus laufen kann, sie muss diese Schnelligkeit in fußballnahen Situationen zeigen können. Hinzu kommt ein Krafttest auf einer Kraftmessplatte. Dabei geht es um biomechanisch orientierte Tests, mit denen wir das Maximal- und Schnellkraftverhalten sowie die Reaktivkraft messen können.

DFB.de: Das heißt, Sie konzentrieren sich stark auf die Schnelligkeit. Wie sieht es mit der Ausdauer aus?

Norbert Stein: Den Ausdauerbereich überprüfen wir genauso. Wir wollen zum einen genau schauen, wie es um die Grundlagenausdauer bestellt ist, und benutzen dafür den Feldstufentest, auch Laktattest genannt. Wir ergänzen diesen Test durch andere Ausdauertests, die zum Beispiel Auskunft über das Stoffwechselgeschehen in der Muskulatur geben. Dabei wird ebenfalls sehr spielnah gearbeitet. Es wird getestet, was passiert, wenn man in einem Spiel verschiedene schnelle Antritte macht, und wie schnell sich die Spielerin wieder erholt. Kurz: Wir versuchen eine Art Screening zu machen. Schwerpunkte sind Schnelligkeit und Kraft, aber auch spezifische Ausdauertests.

DFB.de: Das sind alles standardisierte Tests?

Norbert Stein: Hoch standardisierte Tests. Es gibt wissenschaftliche Gütekriterien, die bei jedem Test angelegt werden. Wir achten sehr darauf, dass diese eingehalten werden.

DFB.de: Sie erheben damit eine Fülle an Informationen. Wie werden diese Daten verarbeitet?

Norbert Stein: Wir versuchen, das Wesentliche herauszufiltern. Aufgabe für uns ist es, diese Datenpools runterzubrechen und vier, fünf griffige Aussagen an die Spielerinnen weiterzugeben. Das versuchen wir, auch optisch zu unterstützten. Dazu erstellen wir ein grafisches Profil für jede Spielerin, welches sie dann an die Hand bekommt. So haben die Spielerinnen einen direkten Überblick, wo sie stehen. Damit es für sie und die Trainer noch einen höheren Aussagewert hat, wird dieses Profil immer wieder mit voran gegangenen Testergebnissen verglichen. Diese Ergebnisse werden mit farbigen Kurven dargestellt, wobei jede einzelne Farbe einen bestimmten Testzeitpunkt darstellt. Zum Beispiel der aktuelle Stand im Vergleich zu den Ergebnissen vor der EM 2009.

DFB.de: Wie kommen die Erkenntnisse zur Anwendung?

Norbert Stein: Von großer Bedeutung sind diese Daten natürlich in einer Turniervorbereitung. Trainingssteuerung hinsichtlich der EM zum Beispiel. Da ist es ganz wichtig, dass die Mädels einen Überblick bekommen: Wo stehe ich am Anfang dieser Vorbereitung, wo stehe ich aktuell? Das gibt ihnen ein entsprechendes Selbstwertgefühl, wenn man denen sagen kann: "Du kannst beruhigt nach Finnland fliegen, deine Werte sind top." Oder der Mannschaftswert im Mittel ist gut. So war das vor der EM 2009 in Finnland. Da konnte man richtig gut darstellen, dass die Mannschaft insgesamt sich deutlich verbessert hat im Laufe dieser Vorbereitungswochen - und das gibt natürlich Selbstvertrauen.

DFB.de: Seit wann führt die Frauen-Nationalmannschaft diesen Leistungstest durch?

Norbert Stein: Ich bin jetzt seit knapp zehn Jahren dabei, und seitdem wurden Leistungstests auch durchgeführt. Am Anfang allerdings noch in anderer, stark vereinfachter Form. Dieses ausgefeilte Instrumentarium, welches wir jetzt anwenden, setzen wir seit 2006 ein.

DFB.de: Haben sich in dieser Zeit die Werte der Spielerinnen signifikant verändert?

Norbert Stein: Ja, sie haben sich verändert. Und zwar so, dass sich das Mittel der Mannschaft immer weiter angehoben hat. Man muss allerdings berücksichtigen, dass sich das Bild, sprich die Zusammensetzung des Teams, stetig verändert. So darf man nicht deutliche Sprünge von Jahr zu Jahr erwarten. In einzelnen Fällen erkennen wir aber auch noch Nachholbedarf. So ein Test ist ja auch da, um Defizite aufzudecken. Wir wollen den Mädels ziemlich klar sagen: Pass auf, in dem Bereich erwarten wir über entsprechendes Training eine Leistungsverbesserung.

DFB.de: Welche Bedeutung messen Sie der Athletik im Frauenfußball bei: Macht sie noch häufig im Spiel einen Unterschied aus?

Norbert Stein: Na klar, Athletik macht im Frauenfußball einen Unterschied aus. Und solange das so ist, hat man natürlich einen Vorteil, wenn die Athletik stimmt. Man muss aber ganz klar sagen: Man darf sich da nicht ausruhen, da das ein Bereich ist, an dem international alle Mannschaften arbeiten können und dies auch zum Teil heftig tun. Du kannst aus einer untalentierten Fußballerin, die nicht mit dem Ball umgehen kann, schwer eine gute Technikerin machen. Aber im Konditionsbereich kann man durch richtig dosiertes und gesteuertes Training eine Menge bewegen. Diesen Joker sollte man sich nicht aus der Hand nehmen lassen. Deshalb versuchen wir, uns immer weiter zu verbessern, immer wieder neue Trainingsmethoden einzuführen.

DFB.de: Sie führen auch Leistungstests im Juniorinnenbereich durch. Ab welchem Alter ist es denn sinnvoll, Fitnesstraining zu machen?

Norbert Stein: Nach unserer Auffassung bringt es überhaupt nichts, mit körperlich orientiertem Training erst im Frauenbereich anzufangen. Ganz im Gegenteil, wir haben langfristig angelegte Projekte, die einen roten Faden darstellen sollen. Wir arbeiten gerade daran, ein Krafttrainingskonzept für den Frauenfußball aufzustellen, beginnend bei der U 15 bis in den Frauenbereich hinein. Sämtliche Spielerinnen sind jetzt schon mit entsprechenden Trainingshinweisen versorgt. Da hat jede Mannschaft eine auf sie zugeschnittene Mappe, ein eigenes Trainingsbuch, einen Rahmentrainingsplan vom DFB bekommen, den wir erstellt haben. Dieser ist natürlich abgestuft und nimmt auf die körperliche Entwicklung Rücksicht. Er soll das Individualtraining, welches wir ja unterstützen, begleiten. Und dieser rote Faden beinhaltet auch, dass wir ab der U 15 in jeder Jahrgangstufe Leistungstests durchführen. Dieses Testinstrumentarium wird dann natürlich immer ausgedehnter, immer vielschichtiger bis zu den komplexen Tests im Frauenbereich. Bei der U 15 beschränken wir uns auf einige wesentliche Tests: Grundlagenausdauer und vor allem grundlegendes Schnelligkeitsverhalten.

Die Athletik der Spielerinnen stets im Blick: Norbert Stein und Silvia Neid  © Bongarts/GettyImages
Die Athletik der Spielerinnen stets im Blick: Norbert Stein und Silvia Neid

DFB.de: Wenn Sie schon so früh mit den Leistungstests anfangen: Welche Konsequenzen hat das langfristig?

Norbert Stein: Wir wollen nichts dem Zufall überlassen. Wenn bei einer Spielerin das fußballerische Talent erkannt worden ist, wollen wir sie so früh wie möglich auf ihrem Weg begleiten. Dadurch schaffen wir natürlich eine bessere Basis, um die Spielerinnen später in die Nationalmannschaften einzubauen. Spielerinnen wie jetzt gerade Alexandra Popp, die gegen Nordkorea erstmals im A-Team dabei ist, haben wir schon seit langem erfasst. Und das gibt uns natürlich eine gute Übersicht darüber, wo sie sich noch weiter entwickeln müssen, um sich im Frauenbereich etablieren zu können. Dass etwa Alexandra Fußball spielen kann, das hat sie schon bewiesen - jetzt muss sie beweisen, dass sie die etwas intensivere Gangart im Frauenbereich mitgehen kann. Aber sie wäre mit Sicherheit nicht oben angekommen, wenn die Leistungswerte nicht gestimmt hätten.

DFB.de: Spielerinnen und Trainerinnen haben Nutzen von diesen Daten. Profitieren auch andere von diesen Informationen?

Norbert Stein: Ja, wir versuchen, uns untereinander, so gut es geht, zu vernetzen. Das heißt: Unsere Physiotherapeuten und unsere Ärzte können auch auf diese Daten zurückgreifen, dies im Hinblick auf Verletzungsprophylaxe. Eine wesentliche These beispielsweise zum Thema Kreuzbandverletzungen ist - und die vertritt auch Bernd Lasarzewski, der Teamarzt der Frauen-Nationalmannschaft -, dass eine Spielerin, die körperlich robust und athletischer ist, weniger Gefahr läuft, sich eine derartige Verletzung zuzuziehen. Und es gibt noch eine Gruppe, die von den Daten profitiert: Das sind die Vereine, die von uns Rückmeldung bekommen über den körperlichen Zustand ihrer Spielerinnen.

DFB.de: Sind die Leistungstests insofern ein Beitrag zur "Gläsernen Athletin"?

Norbert Stein: Ich bin froh, dass wir noch nicht den "Gläsernen Athleten" haben. Den wünsche ich mir nicht, da jeder Athlet ein Individuum ist und einen persönlichen Charakter hat. Wir machen die Leistung transparenter. Das darf man aber nicht negativ sehen, denn in erster Linie profitiert die Spielerin ja davon. Wir wollen sie nicht "nacktscannen", wir wollen ihr helfen, persönliche Defizite zu erkennen, und ihr die entsprechende Unterstützung für die Trainingsgestaltung geben.

Neid nominiert Popp für Nordkorea-Länderspiel

29.01.2010 13:22 Frauen-Nationalmannschaft

Neu im Nationalteam: Alexandra Popp  © Bongarts/GettyImages
Neu im Nationalteam: Alexandra Popp

Mit vielen bewährten Kräften und Alexandra Popp startet die deutsche Frauen-Nationalmannschaft ins neue Jahr. DFB-Trainerin Silvia Neid nominierte für das Länderspiel gegen Nordkorea am 17. Februar (16.30 Uhr, live in der ARD) und den Algarve Cup vom 24. Februar bis 3. März einen 20 Spielerinnen umfassenden Kader.

Den Kern des Aufgebots bilden 18 Spielerinnen, die im vergangenen September die Europameisterschaft in Finnland gewannen. Hinzu kommen Lena Goeßling, die in dieser Saison mit guten Leistungen in der Bundesliga auf sich aufmerksam gemacht hat, und als einziger Neuling die 18 Jahre alte Angreiferin Alexandra Popp vom FCR 2001 Duisburg.

Europameister trifft Asienmeister in Duisburg

Das Duell der Kontinentalmeister zwischen Europameister Deutschland und Asienmeister Nordkorea in der Duisburger MSV-Arena und die Begegnungen beim hochkarätig besetzten Turnier in Süd-Portugal versteht Silvia Neid als Teil der Vorbereitung auf die WM 2011 im eigenen Land. „Wir haben bis zum Turnierstart keine Pflichtspiele mehr. Deswegen ist es wichtig für uns, bis dahin gegen richtig gute Gegner zu spielen. Und das ist gegen Nordkorea und beim Algarve Cup zweifellos der Fall“, erklärt die DFB-Trainerin.

Von den Nordkoreanerinnen spricht sie mit dem großem Respekt. „Gegen sie zu spielen, ist eine große Herausforderung“, sagt Silvia Neid. Sie beruft sich dabei auf die in den direkten Vergleichen gesammelten Erfahrungen. Ihr Team gewann im Viertelfinale der WM 2007 mit 3:0 und in der Gruppenphase der Olympischen Spiele 2008 mit 1:0 gegen die Asiatinnen. „Beide Spiele standen auf des Messers Schneide“, erinnert sich die DFB-Trainerin. Die Leistungen der Nordkoreanerinnen beeindruckten sie. „Was die spielen, ist Rasenschach. Die Spielerinnen sind taktisch sehr gut ausgebildet. In der Abwehr findet man bei ihnen kaum eine Lücke. Sie sind ballsicher und ziehen ein sauberes Aufbauspiel auf. Das ist schon eine Weltklasse-Mannschaft“, urteilt sie über den Fünften der FIFA-Weltrangliste.

Darüber hinaus reisen die Nordkoreanerinnen mit der Empfehlung an, die derzeit aufsteigende Nation im Frauenfußball zu sein. Dieser Ruf basiert auf den jüngsten Erfolgen im Nachwuchsbereich. So gewann Nordkorea 2006 die U 20-WM und 2008 die U 17-WM, zudem steht ein zweiter Platz bei der U 20-WM 2008 zu Buche.

Hat alle Spielerinnen im Blick: Silvia Neid  © Bongarts/GettyImages
Hat alle Spielerinnen im Blick: Silvia Neid

An der Algarve gegen Dänemark, Finnland und China

Nicht minder reizvoll sind die Spiele beim Algarve Cup. Partien gegen Dänemark (24. Februar), Finnland (26. Februar) und China (1. März) und ein Platzierungsspiel (3. März) stehen dort auf dem Programm. „Wir werden die Gelegenheit nutzen, um einiges zu testen. Wer werden sicherlich einige Spielerinnen auf verschiedenen Positionen ausprobieren“, erklärt Silvia Neid.

Ihre erste Chance, sich im Kreis der Nationalmannschaft zu bewähren, erhält indes Alexandra Popp. „Sie ist uns in jüngster Vergangenheit sehr positiv aufgefallen, sie hat sich gut entwickelt. Jetzt wollen wir sehen, wie sie ins A-Team reinpasst, ob sie das Tempo auf dieser Ebene schon mitgehen kann“, so Silvia Neid. Die Nominierung der jungen Duisburger Angreiferin versteht sie auch als Wink an die anderen aufstrebenden Talente. „Wir haben alle Spielerinnen im Blick. Gerade durch die Verzahnung in unserem Trainer-Team mit Ulrike Ballweg und Maren Meinert als Trainerinnen der U 19- , U 20- und U 23-Nationalmannschaft haben wir eine größtmögliche Transparenz hergestellt“, erklärt sie.

Allerdings weist die DFB-Trainerin auch darauf hin: „Die Tür zur Nationalmannschaft ist offen, aber im Moment drängt sich außer Alex Popp niemand wirklich auf. Darüber hinaus werden wir mit Rücksicht auf die Vorbereitung unserer U 20-Nationalmannschaft auf die WM in diesem Jahr sehr sorgfältig abwägen, ob wir bis dahin eine weitere Nachwuchsspielerin für das A-Team nominieren“, so Silvia Neid.

MSV-Profis unterstützen DFB-Frauen

8.01.2010 11:36 Frauen-Nationalmannschaft
Beim Fototermin: Simone Laudehr und MSV-Profi Björn Schlicke  © Carsten Kobow
Beim Fototermin: Simone Laudehr und MSV-Profi Björn Schlicke

Das Frauen-Länderspiel zwischen Deutschland und Nordkorea am 17. Februar (ab 16.30 Uhr, live in der ARD) lassen sich die Profis des MSV Duisburg nicht entgehen. Mehr noch: Die Spieler des Zweitligisten unterstützen die DFB-Auswahl bei der Bewerbung für die Partie zwischen dem Welt- und Europameister und dem Asienmeister in der MSV-Arena.

So standen Björn Schlicke, U 21-Europameister Änis Ben-Hatira und Mihai Tararache gemeinsam mit den Nationalspielerinnen Linda Bresonik und Simone Laudehr (beide FCR 2001 Duisburg) bei einem Fototermin vor der Kamera.

"Verbundenheit zum Team"

„Ich habe großen Respekt vor den Leistungen der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Ich bin gespannt darauf, einmal ein Spiel von ihnen im Stadion zu sehen. Insofern freue ich mich auf das Länderspiel gegen Nordkorea in der MSV-Arena“, erklärte dabei Björn Schlicke.

Und Änis Ben-Hatira stimmte seinem Mitspieler zu: „Natürlich bin ich beim Frauen-Länderspiel gegen Nordkorea dabei. Nicht nur weil ich als U 21-Nationalspieler selbst in einer DFB-Auswahl stand, fühle ich eine Verbundenheit zu dem Team.“

Positive Bilanz im direkten Vergleich

Mit Nordkorea steht die DFB-Auswahl einem anspruchsvollen Gegner gegenüber, der auch bei der Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland wieder eine Rolle spielen könnte. Besonders im Nachwuchsbereich konnten die Asiatinnen in jüngster Vergangenheit mit beachtlichen Leistungen auf sich aufmerksam machen. Nordkorea gewann 2008 die U 17-Weltmeisterschaft und 2006 die U 20-Weltmeisterschaft.

Auch im direkten Vergleich konnten sich die Spielerinnen der deutschen Mannschaft einen Eindruck von der Stärke der Nordkoreanerinnen verschaffen. Bei der WM 2007 siegt die DFB-Auswahl mit 3:0 und bei den Olympischen Spielen 2008 gewann sie mit 1:0.

Nationalspieler für Deutschland: Linda Bresonik und Änis Ben-Hatira  © Carsten Kobow
Nationalspieler für Deutschland: Linda Bresonik und Änis Ben-Hatira

"Wichtiger WM-Test"

Insofern blickt auch DFB-Trainerin Silvia Neid der Begegnung in Duisburg gespannt entgegen. „Das Spiel ist für uns ein wichtiger Test mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2011 im eigenen Land. Für uns hat die Vorbereitung schon begonnen. Die Nordkoreanerinnen spielen einen technisch sehr anspruchsvollen Fußball und werden uns sicherlich fordern“, sagt die DFB-Trainerin.

Dabei hofft sie wieder auf die Unterstützung der deutschen Fans. „Wir hatten zuletzt tolle Kulissen. Ich denke da zum Beispiel an die Spiele gegen Brasilien in Frankfurt, gegen die Niederlande in Sinsheim oder gegen die USA in Augsburg. Ich würde mich freuen, wenn in Duisburg eine ähnliche Atmosphäre im Stadion herrschen würde.“

Die Tickets für das Länderspiel gegen Nordkorea kosten zwischen fünf Euro (Stehplatz Gruppenkarten) und 35 Euro (Sitzplatz Kategorie 1). Karten können online unter dfb.de, über die DFB-Ticket-Hotline (Telefon: 0 18 05 / 11 02 01, 0,14 €/min), an allen CTS-Vorverkaufsstellen und in ausgewählten Ticketshops erworben werden.

Interview mit Silvia Neid

04.01.2010 10:00 Frauen-Nationalmannschaft DFB.DE GESPRÄCH DER WOCHE

Neid: "Die Zeit bis zur WM wird wie im Flug vergehen"

Fokussieren auf die WM 2011: Silvia Neid  © Bongarts/GettyImages
Fokussieren auf die WM 2011: Silvia Neid

Man könnte meinen, 2010 ist ein Übergangsjahr für die deutschen Frauen. Denn nach dem Titelgewinn bei der EURO 2009 und vor der WM 2011 liegt ein Jahr ohne großes Turnier vor der Frauen-Nationalmannschaft. Aber Silvia Neid duldet kein Verschnaufen. Für die DFB-Trainerin sind die kommenden Monate mit Blick auf die Vorbereitung für das große Frauenfußball-Fest in eineinhalb Jahren in Deutschland extrem wichtig.

Im DFB.de-Gespräch der Woche mit DFB-Redakteur Niels Barnhofer resümiert Silvia Neid das erfolgreiche Jahr 2009 zurück, erzählt, wie viel Positives sie und die Spielerinnen aus den jüngsten Erfolgen ziehen können, skizziert den Fahrplan der Nationalmannschaft bis zur WM und erklärt, warum sie so gespannt auf die U 20-WM 2010 in Deutschland ist.

DFB.de: Silvia Neid, WM 2007, Olympische Spiele 2008, EURO 2009 – und 2010 kein großes Turnier. Wie kriegen Sie die kommenden zwölf Monate bloß rum?

Silvia Neid: Das ist nicht schwer. Seit dem Ende der Europameisterschaft in Finnland fokussieren wir komplett auf die Weltmeisterschaft 2011 im eigenen Land. Wir sind mitten in der Vorbereitung. Bis zum Eröffnungsspiel am 26. Juni 2011 in Berlin sind es noch knapp eineinhalb Jahre. Diese Zeit wird mit Sicherheit wie im Flug vergehen, weil der Terminkalender proppenvoll ist. Außerdem haben wir mit der U 20-WM in Deutschland ein äußerst interessantes Turnier im eigenen Land. Wir werden uns die Spiele sehr genau anschauen, schließlich wird man aus den dort gewonnenen Erkenntnissen interessante Rückschlüsse mit Blick auf die WM 2011 ziehen können.

DFB.de: Was steht dabei für die Frauen-Nationalmannschaft auf dem Programm?

Neid: Die Termine für die erste Jahreshälfte 2010 sind fix. Es geht los mit einem Leistungstest im Januar. Am 17. Februar steht das erste Länderspiel in Duisburg gegen Nordkorea an. Im Anschluss daran nehmen wir vom 24. Februar bis 3. März am Algarve Cup teil. Am 22. April treffen wir in Dresden auf Schweden. Und am 22. Mai spielen wir gegen die USA, da steht der Spielort allerdings noch nicht fest. Damit ist gewährleistet, dass sich die Mannschaft regelmäßig trifft. Außerdem konnten wir unseren Wunsch umsetzen, gegen hochkarätige Gegner zu spielen, was vor dem Hintergrund eminent wichtig ist, dass wir bis zur WM kein Pflichtspiel mehr haben. Die Planungen für die zweite Jahreshälfte sind schon ziemlich fortgeschritten aber noch nicht spruchreif, nur soviel: Wir werden noch mindestens drei Länderspiele im zweiten Halbjahr bestreiten.

DFB.de: Welche Ziele haben Sie sich inhaltlich für 2010 gesteckt?

Neid: Unser Ziel ist es, dass sich die Spielerinnen weiterentwickeln. Wir wollen ihnen helfen, noch besser zu werden. Wir bewegen uns zwar schon auf einem sehr hohen Niveau, aber ich bin davon überzeugt, dass man in vielen Bereichen, häufig auch ganz individuell noch Optimierungen vornehmen kann. Der Frauenfußball hat sich in den vergangenen Jahren schließlich sehr gut entwickelt, und diesen Trend wollen wir weiter mitgestalten. Nicht zuletzt auch deshalb, weil wir uns einen großen Traum verwirklichen wollen: Zum dritten Mal in Folge Weltmeister zu werden. Dazu müssen wir einfach auf dem absoluten Top-Level spielen können.

DFB.de: Um die Bestleistungen aus Ihrer Mannschaft zu kitzeln, haben Sie kontinuierlich das Betreuerteam erweitert. Unter anderem arbeiten Sie mit einem Psychologen zusammen. Wird diese Kooperation fortgesetzt und wird das Funktionsteam weiteren Zuwachs erhalten.

Neid: Die Zusammenarbeit mit unserem Psychologen Dr. Arno Schimpf hat sich absolut bewährt. Er kommt bei den Spielerinnen sehr gut an. Er ist fachlich und menschlich eine Bereicherung für das Team. Und ich denke, sein Rat und seine Hilfe wird auch in Zukunft gefragt sein, denn der Druck, der auf den Spielerinnen bei der Heim-WM lasten wird, wird nicht eben geringer werden. Überhaupt ist unsere gesamte Crew ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. Über die Jahre, die wir nun schon zusammenarbeiten, sind alle total eng zusammengerückt. Da herrscht durchweg ein freundschaftliches Verhältnis. Und das finde ich sehr gut. Es ist wichtig für die Stimmung im Team und vereinfacht auch die Abläufe, die sind nämlich sehr gut eingespielt.

DFB.de: Was nehmen Sie noch Positives aus dem vergangenen Jahr mit?

Neid: Einiges! Natürlich war der Gewinn der Europameisterschaft ein Highlight. Damit verbinde ich sehr positive Botschaften: Wir sind weiterhin die Nummer 1 in Europa! Die Spielerinnen sind weiterhin hungrig auf Titel! Die Leistung stimmte. Die Leidenschaft ist bei den Spielerinnen da. Sie ziehen mit, trainieren viel, sind lernwillig, sind bereit, über ihre Grenzen zu gehen. Zudem ist es uns erneut gelungen, mit Kim Kulig und Bianca Schmidt junge Spielerinnen in die Nationalmannschaft einzubinden.

DFB.de: Welche Erwartungen haben Sie vor diesem Hintergrund der U 20-WM in Deutschland im kommenden Jahr?

Neid: Ich bin sehr gespannt auf die U 20-WM. Dieses Turnier ist die große Chance für die Talente, sich in den Vordergrund zu spielen. Die Tür zur Frauen-Nationalmannschaft ist auf jeden Fall offen. Allerdings müssen die jungen Spielerinnen dafür absolute Top-Leistungen abliefern. Sie müssen herausstechen aus ihrem Team, es muss erkennbar sein, dass sie Verantwortung übernehmen wollen. Aber auch auf die internationale Konkurrenz bin ich gespannt. Die U 20-WM wird neue Aufschlüsse darüber liefern, wie sich der Frauenfußball weiterentwickelt hat. Wir werden bestimmt einige der Talente der U 20-WM bei der WM 2011 wiedersehen. Ich bin überzeugt, dass man wichtige Rückschlüsse auf die WM in zwei Jahren gewinnen kann.

DFB.de: Wie eng wird Ihre Zusammenarbeit mit Maren Meinert bei der U 20-WM sein?

Neid: Sehr eng! Wir haben grundsätzlich eine sehr gute Verzahnung in dem Trainerteam, das für die weiblichen Nationalmannschaften zuständig ist. Wir stehen in einem permanenten Austausch, so erhalten wir eine größtmögliche Transparenz und einen bestmöglichen Informationsfluss. Zudem gehört Maren Meinert zum Trainerstab der Frauen-Nationalmannschaft. Es ist klar, dass wir sie bei der U 20-WM unterstützen werden. Uli Ballweg wird zusammen mit Bettina Wiegmann als ihre Assistentin beim Team sein. Und ich werde einige Spiele für sie scouten.

Neid (2. v.r.) im Kreise ihrer Spielerinnen  © Bongarts/GettyImages
Neid (2. v.r.) im Kreise ihrer Spielerinnen

DFB.de: Welche Erfahrungen können die Talente bei einer WM gewinnen?

Neid: Ein solches Turnier ist sehr wertvoll für die Entwicklung der jungen Spielerinnen. Hier findet ein Vergleich auf allerhöchstem Niveau statt. Das fordert sie sportlich. Aber sie lernen auch unterschiedliche Mentalitäten auf dem Platz kennen und werden zudem mit verschiedenen Spielsystemen konfrontiert. Das erweitert einfach ihr fußballerisches Wissen.

DFB.de: Gilt das auch für gestandene Nationalspielerinnen – etwa in Vergleichen mit Brasilien und den USA?

Neid: Ja, natürlich. Das waren richtig wichtige Spiele für uns im vergangenen Jahr. Es hilft immer, gegen starke Gegner zu spielen. Auch wenn man nicht gegen sie gewinnt. Sie zeigen einem die Schwächen auf und weisen damit darauf hin, woran noch gearbeitet werden muss. Das sind ganz fundamentale Erkenntnisse, die wir dabei sammeln. Nicht nur als Trainerin, auch als Spielerin. Deswegen verfolgen wir weiter das Ziel, für die kommenden Länderspiele hochklassige Konkurrenz zu verpflichten. Mit Nordkorea und Schweden ist uns das wieder gelungen.

DFB.de: Welche Rolle spielt die Bundesliga in der Vorbereitung der Nationalmannschaft auf die WM 2011?

Neid: Eine ziemlich große. In den Vereinen sind die Nationalspielerinnen zu Hause. Hier werden sie täglich trainiert. Insofern sehe ich die Bundesliga-Vereine als ganz wichtige Partner an. Deswegen stehen wir in einem intensivem Austausch. Und ich bin froh, dass wir im Spitzenbereich eine derart starke Liga haben – die Erfolge im UEFA-Cup und jetzt in der Champions League sprechen für sich. Außerdem möchte mich in diesem Zusammenhang ausdrücklich für die Kooperation der Liga bedanken, die uns zum Beispiel eine ausführliche direkte Vorbereitung auf die WM ermöglicht, dadurch, dass sie zugestimmt hat, die Bundesliga-Saison 2010/2011 bereits im März zu beenden. Alle Vereinstrainer haben uns ihre Unterstützung zugesagt und zugestimmt, dass wir alles Erdenkliche tun müssen, um den Titel zu verteidigen. Nichtsdestotrotz wird es ein Spagat werden, da bis Mai noch Spiele in der Champions League anstehen, was bedeuten könnte, dass wir auf einige Spielerinnen in einigen Lehrgängen verzichten müssten.

DFB.de: Und was geben Sie den Spielerinnen für das kommende Jahr mit auf dem Weg?

Neid: Natürlich stehen sie auch in der Verantwortung. Am meisten gegenüber sich selbst. Wer bei der WM 2011 im eigenen Land dabei sein will, muss eine entsprechende Leistung zeigen. Da heißt es auch, eigenverantwortlich zu trainieren. Da wir in der Bundesliga kein Profitum haben, müssen die Nationalspielerinnen auch individuell trainieren. An der Unterstützung unsererseits wird es dabei nicht mangeln – wir helfen unseren Spielerinnen, wo es nur geht.

DFB-Frauen sind Mannschaft des Jahres 2009

20.12.2009 23:00 Frauen-Nationalmannschaft

Ausgezeichnet in Baden-Baden: Die Frauen-Nationalmannschaft  © Bongarts/GettyImages
Ausgezeichnet in Baden-Baden: Die Frauen-Nationalmannschaft

Zum zweiten Mal nach 2003 sind Deutschlands Fußball-Frauen zur Mannschaft des Jahres gewählt worden. Die deutschen Sportjournalisten votierten mit überwältigender Mehrheit für den Welt- und Europameister, der sich mit 2846 Punkten vor dem Deutsche Fußball-Meister VfL Wolfsburg (1888) und dem Deutschland-Achter (1709) durchsetzte.

Fast exakt 100 Tage nach ihrem siebten EM-Triumph nahmen DFB-Trainerin Silvia Neid, Assistentin Ulrike Ballweg, Managerin Doris Fitschen swoie die Nationalspielerinnen Nadine Angerer, Ursula Holl, Babett Peter, Bianca Schmidt, Birgit Prinz, Kerstin Garefrekes und Ariane Hingst im Kurhaus von Baden-Baden die Auszeichnung von WDR2-Sportchefin Sabine Töpperwien entgegen.

"Seit 20 Jahren hamstert sich die Mannschaft von Titel zu Titel. Sie hat es zum zweiten Mal geschafft, sowohl die Welt- als auch die Europameisterschaft zu gewinnen. Das 6:2 im Finale gegen England war eine Fußball-Demonstration. Das Team spielt mit Leidenschaft, Brillanz und Dominanz", sagte Töpperwien.

"Wenn man am Ende eines Jahres hierher eingeladen wird, war es auf jeden Fall ein gutes Jahr. Dass es jetzt zum ersten Platz gereicht hat, ist eine tolle Auszeichnung. Mannschaft des Jahres wird man nicht so oft", sagte Neid mit Blick auf die männliche Konkurrenz aus dem Fußball-Lager, die wegen der Hochzeit ihres Torhüters Diego Benaglio lediglich zugeschaltet wurde.

"Ich freue mich über diese Auszeichnung, weil sie durch eine kompetente Jury, nämlich die im VDS (Verband deutscher Sportjournalisten, d. Red.) organisierten Journalisten vergeben wird. Zudem ist es eine große Ehre diesen Titel zu erhalten, weil die Konkurrenz groß war. Zur Wahl standen schließlich alle Sportarten", so Nationalstürmerin Prinz.

Variables Spiel als Schlüssel zum Erfolg

Den Schlüssel zum Erfolg sieht Neid im variablen und flexiblen Spiel, wodurch die Mannschaft für den Gegner schwer auszurechnen sei. Prinz kündigte für die Zukunft bereits weitere Großtaten an: "Ein Sieg bei der WM 2011 in Deutschland wäre ein grandioser Abschluss meiner Karriere. Dafür werde ich mich voll reinhängen".

Bundestrainerin Neid mit der EM-Trophäe  © Bongarts/GettyImages
Bundestrainerin Neid mit der EM-Trophäe

Bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres landete EM-Torschützenkönigin Inka Grings mit 669 Stimmen auf dem sechsten Platz. Es siegte die Leverkusener Speerwurf-Weltmeisterin Steffi Nerius mit 3443 Zählern vor Schwimmerin Britta Steffen (2741), die im August bei der WM das Double von Olympia 2008 über 50 und 100 m Freistil wiederholt hatte, und Skirennläuferin Maria Riesch (1934).

Bei den Männern siegte Schwimm-Ass Paul Biedermann mit 3569 Punkten vor Formel-1-Vizeweltmeister Sebastian Vettel (2034), Diskus-Weltmeister Robert Harting (1437) und Bayern Münchens Nationalspieler Philipp Lahm (691). Nationaltorhüter Rene Adler wurde Elfter, der verstorbene Robert Enke 14.

Die U 21-Nationalmannschaft, die im Juni durch ein 4:0 im Finale gegen England Europameister wurde, landete auf dem 18. Rang.

Insgesamt hatten 1404 Sportjournalisten bei der 63. Umfrage der Internationalen Sportkorrespondenz (ISK) seit 1947 die Nachfolger von Gewichtheber-Olympiasieger Matthias Steiner, Schwimm-Star Britta Steffen und den Hockey-Herren gewählt. Unter den 750 geladenen Gästen im Benazet-Saal des Kurhauses Baden-Baden applaudierten auch 45 frühere "Sportler des Jahres" den Siegern.