Samstag, 22. August 2009

Die Präsidentin und das Golden Girl

18.08.2009 10:36 Frauen-EM 2009

Die Präsidentin und das Golden Girl

Tolles Tandem: ZDF-Moderatorin Mueller Hohenstein (l.) und Jones   © Bongarts/GettyImages
Tolles Tandem: ZDF-Moderatorin Mueller Hohenstein (l.) und Jones

Nia Künzer ist nicht Günter Netzer. Will sie auch gar nicht sein. „Man darf niemanden kopieren, man muss sich treu bleiben. Und mit Netzer mag ich mich ohnehin nicht messen“, sagt die 29-jährige ehemalige Nationalspielerin, die einen der größten Triumphe des Deutschen Fußball-Bundes überhaupt einleitete.

Damals, 2003 in den USA, hatte sie die deutschen Frauen erstmals zum Weltmeister-Titel geköpft. Strahlender Sonnenschein im kalifornischen Carson. Unglaublich kraftvoll hatte sie sich damals am 12. Oktober 2003 hochgeschraubt und den von Renate Lingor geschlagenen Flankenball voll erwischt. Das Golden Goal in der 98. Minute, später sogar zum „Tor des Jahres“ gewählt, brachte Deutschland den 2:1-Finalsieg über Schweden. „Ein lichter Moment“, sagt sie heute.

Inzwischen ist die Diplompädagogin im Zweitjob die Fußball-Expertin der ARD. An der Seite von Michael Antwerpes wird sie für ein Millionenpublikum von den Spielen der deutschen Mannschaft bei der Europameisterschaft in Finnland berichten. „Unsere Frauen gehen als sechsfacher Europameister und Titelverteidiger ins Turnier. Ist doch klar, dass sie zum Favoritenkreis gehören. Das Halbfinale muss absolutes Minimalziel sein“, sagt Nia Künzer.

Jones und Künzer berichten von der Europameisterschaft

Ihr Pendant beim ZDF ist eine langjährige Teamkollegin, im Verein und bei der Nationalmannschaft. Steffi Jones, heute Präsidentin des Organisationskomitees für die Frauen-WM 2011, kommentiert für die Konkurrenz auf dem Nachbarkanal. Fünfmal wurden Jones und Künzer im Team des FFC Frankfurt gemeinsam Deutscher Meister, fünfmal Pokalsieger, und zweimal UEFA-Cup-Sieger. Gemeinsam spielte man im Nationalteam, „auch wenn wir uns da mit unseren Kreuzbandrissen ein wenig abgewechselt haben“, wie Nia Künzer lächelnd anmerkt. Seit dem WM-Jahr 2006 stehen beide wieder für die Nationalmannschaft vor der Kamera. Nur sitzt die in Botswana geborene Künzer in der ersten Reihe. Und die gebürtige Frankfurterin Jones sieht besser mit dem Zweiten.

Nia Künzer und Steffi Jones – zwei ehemalige Weltmeisterinnen kommentieren für ARD und ZDF von der Europameisterschaft in Finnland. Turnierbeginn ist der 23. August, Titelverteidiger Deutschland startet einen Tag später in das Turnier.

„Nia macht einen guten Job, sie bleibt sich immer treu. Überhaupt befürworte ich es, dass erfolgreiche Spielerinnen, und nicht nur Journalisten, am Mikrofon stehen“, beurteilt die 36-jährige WM-Chefin die „On Air“-Leistung ihrer jüngeren Kollegin. „So oft habe ich Steffi noch nicht bei den Sendungen gesehen. Nicht dass das falsch rüberkommt. Ich schalte nicht weg, wenn Steffi läuft. Aber meistens bin ich selbst im Stadion und verfolge das Spiel live“, sagt Nia Künzer. „Die Rolle als TV-Expertin ist ein anspruchsvoller Job. Man hält da sein Gesicht in die Kamera und danach urteilen wahnsinnig viele Leute über einen. Das muss man aushalten“.

Co-Kommentatorin: Nia Künzer (r.)  © Bongarts/GettyImages
Co-Kommentatorin: Nia Künzer (r.)

Duell auf Augenhöhe

In Finnland startet Nia Künzer vor Steffi Jones ins Turniergeschehen. Sie wird die ersten beiden Gruppenspiele von Silvia Neids Team kommentieren, darunter auch das Auftaktmatch gegen die starken Norwegerinnen. Der Weltmeister von 1995 tritt mit einer ausgeglichenen Bilanz gegen Deutschland an. Von 31 Spielen haben die beiden Großmächte des Frauenfußballs jeweils 13 gewonnen. „Im Gegensatz zu vielen anderen, glaube ich nicht, dass wir gleich eine fantastische Leistung bringen müssen. Wichtiger ist es, sich im Verlauf des Turniers zu steigern. Ein solider Auftritt im ersten Spiel reicht völlig“, sagt die ARD-Expertin.

Steffi Jones widerspricht. „Man braucht ein gutes Auftaktspiel, da tankt man Selbstbewusstsein fürs gesamte Turnier“. Dem Auftakt gegen Norwegen folgen Gruppenspiele gegen Frankreich (27. August) und Island (30. August). Den dritten Auftritt und das Viertelfinale, sollte Deutschland der Einzug gelingen, kommentiert dann die OK-Präsidentin.

Zwei Jahre vor der nächsten WM im eigenen Land hastet die 36-jährige Jones von Termin zu Termin. Sie ist Gesicht und Stimme der WM 2011. Ob als Talkshowgast bei Johannes B. Kerner oder bei der Tour durch die WM-Städte im intensiven Gespräch mit den Bürgermeistern, in Berlin beim Treffen mit der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel oder beim Blitzbesuch bei ihrem Ex-Klub Washington Freedom, bewahrt sie sich immer ihre Herzlichkeit und Verbindlichkeit. Umringt von Dutzenden um ein Autogramm bittenden Kindern und Teenagern, viele mit einem Exemplar ihrer 2007 erschienenen Biografie „Der Kick des Lebens“ in der Hand, bei einem Schulkampagnen-Event in Nordbayern, hat Steffi Jones alle Zeit der Welt, auch wenn die nächsten Termine längst anstehen. Der Mensch, nicht der Terminkalender, hat Priorität. Eine sympathischere WM-Botschafterin könnte man sich nicht vorstellen.

Wie Netzer und Kahn - und doch ganz anders

Eine knallharte Journalistin ist sie nicht. In der Interpretation der eigenen Aufgabe unterscheiden sich Künzer, die Stürmerin und Jones, die Verteidigerin, deutlich. Nia Künzer formuliert schon mal offensiv Kritik: „Noch bereite ich mich auf ein Spiel nicht wie ein Journalist vor, aber es geht langsam in die Richtung.“ Steffi Jones dagegen hat als klaren Grundsatz: „Einzelne Spielerinnen mache ich nicht schlecht.“ Dafür fühlt sich die OK-Präsidentin, die sich vor jeder Live-Sendung zum Vier-Augen-Gespräch mit der Trainerin Silvia Neid trifft, einfach zu eng verbunden mit den Protagonisten. „Ich fiebere noch so richtig mit. Einzelkritik lasse ich bei meinem Kommentaren aber auch deshalb raus, weil Fehler oft aus einer Kette von Vorgängen entstehen. Selten ist da eine einzelne Spielerin Schuld.“

Nia Künzer ist nicht Günter Netzer. Und Steffi Jones sicher nicht Oliver Kahn. Auf beide aber – auf die „Maxim Frau des Jahres 2004“ (Künzer) und die Trägerin des Hessischen Verdienstordens (Jones) – dürfen sich die Fußballfans freuen. Mit ihren Fachkommentaren werden sie einem Millionenpublikum näher bringen, warum das Tor für Deutschland fiel oder wo noch ein Schwachpunkt im Spiel des Teams steckt. So wie Günter Netzer und Oliver Kahn. Und doch ganz anders.

Alles muss mit

18.08.2009 09:37 Frauen-EM 2009

Von der Getreidemühle bis zum DVD-Player ist alles dabei

Fliegt vor: Teammanagerin Patrizia Hell  © Bongarts/GettyImages
Fliegt vor: Teammanagerin Patrizia Hell

Die Mission Finnland hat schon längst begonnen. Seit dem 22. Juni bereitet sich die deutsche Frauen-Nationalmannschaft auf die EURO 2009 vor. Doch jetzt wird das Turnier in Finnland allmählich greifbar. Heute bricht die deutsche Frauen-Nationalmannschaft in ihren Spielort nach Tampere auf.

Und wenn das Team von DFB-Trainerin Silvia Neid dann am Abend in der drittgrößten finnischen Stadt, die auch Manchester des Nordens genannt wird, ankommt, werden die Mitglieder des DFB-Trosses im Quartier alles bestens vorbereitet finden – dank Teammanagerin Patrizia Hell und Zeugwart Matthias Lau.

Die beiden bilden die Vorhut des deutschen Teams. Sie sind bereits am heutigen Dienstag in Richtung Norden aufgebrochen. Mit dabei: rund 500 Kilogramm Übergepäck. Dazu werden sie in Tampere noch sieben Paletten mit Teamgepäck in Empfang nehmen, die schon am Montag vergangener Woche mit einer Spedition auf die Reise geschickt wurden. Alles gepackt von Wolfgang Nebel, dem ehemaligen Zeugwart der Frauen-Nationalmannschaft, aus der DFB-Kleiderkammer.

Mit Übergepäck zur EM: Zeugwart Matthias Lau  © Bongarts/GettyImages
Mit Übergepäck zur EM: Zeugwart Matthias Lau

Bälle, Hürden, Hütchen

Hauptsächlich Spiel- und Trainingskleidung machen die große Menge aus. Allein zehn komplette Spielgarnituren hat der Zeugwart eingepackt. Je fünf mit weißen und roten Trikots. Ein anderer großer Posten ist die medizinische Ausrüstung. Angefangen bei den Massagebänken für die Physiotherapeutinnen Christel Arbini und Shyrin Spreitzer bis hin zu den Ärztekoffern der Teammediziner Dr. Bernd Lasarzewski und Ulrich Schmieden.

Dazu kommen allerhand Trainingsgeräte, angefangen von 30 Bällen inklusive Kompressor zum Aufpumpen der Spielgeräte, Torhüter-Stangen, Hürden oder Hütchen. Aber auch ein Technikkoffer befindet sich im Gepäck, der unter anderem eine Videokamera, Stativ, Beamer und einen DVD-Rekorder enthält.

Und auch ein paar eher ungewöhnliche Utensilien werden mit auf die Reise nach Finnland genommen. So dürfen ein paar Gläser Nutella nicht fehlen, auch wenn derzeit einige Spielerinnen gerade beim Frühstück auf Müsli schwören. Am liebsten frisch zubereitet. Deshalb sind eine Getreidemühle und die entsprechenden Körner und Flocken in Finnland ein absolutes Muss.

Interview mit Doris Fitschen

17.08.2009 14:55 Frauen-Nationalmannschaft

Doris Fitschen: "Wir wollen den Frauenfußball optimieren"

Managerin mit Ambitionen: Doris Fitschen  © Bongarts/GettyImages
Managerin mit Ambitionen: Doris Fitschen

Kaum zehn Tage ist Doris Fitschen als Managerin der Frauen-Nationalmannschaft im Amt. In neuer Funktion begleitet die 144-malige Nationalspielerin die DFB-Auswahl ab Mittwoch in Finnland, wo das Team von Trainerin Silvia Neid bei der EURO 2009 (23. August bis 10. September) seinen Titel verteidigen will. Vor dem Abflug sprach DFB-Redakteur Niels Barnhofer für DFB.de mit Doris Fitschen.

Frage: Doris Fitschen, Sie sind seit kurzem Managerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Wie sehen die neuen Aufgaben aus?

Doris Fitschen: Die Stelle der Managerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft wurde geschaffen, weil der Frauenfußball immer mehr in der Öffentlichkeit steht. Es gibt immer mehr Anfragen von Seiten der Sponsoren, der Medien oder des WM-Organisationskomitees für das Team. Das betrifft die Spielerinnen aber auch Silvia Neid, gerade sie soll sich in den kommenden zwei Jahren aber komplett auf den Sport konzentrieren können. Da ist es meine Aufgabe, ihr den Rücken frei zu halten. Es geht darum zu sondieren, welche Aktionen gemacht werden können und diese dann auch zu koordinieren.

Frage: Welchen Stellenwert hat Ihrer Meinung nach die Frauen-Nationalmannschaft?

Fitschen: Die Frauen-Nationalmannschaft ist das Zugpferd der WM 2011. Das sieht man jetzt schon, der Zuschauerzuspruch in den Stadien und am Fernseher sind bestes Indiz dafür. Die Länderspiele werden immer mehr zu richtigen Events. Insofern ist es wichtiger denn je, dass das Team in der Öffentlichkeit steht. Wir wollen daher die Marke Frauen-Nationalmannschaft weiter entwickeln. Das heißt, wir wollen deren Bekanntheit steigern und deren Image verbessern.

Frage: Welche Maßnahmen werden dahingehend ergriffen?

Fitschen: Ein gutes Beispiel dafür, in welche Richtung es gehen könnte, ist die Fotoserie, die wir mit dem Starfotografen Horst Hamann aufgenommen haben. Die Bilder, die dabei entstanden sind, sind für uns unheimlich wichtig, weil wir sie sehr vielseitig einsetzen können. Sei es für Kampagnen, für Kalender, für Bücher oder um sie den Medien zur Verfügung zu stellen. Es wird unsere Arbeit sein, dahingehend etwas zu entwickeln. Unser Ziel ist es, die Frauen-Nationalmannschaft und auch die einzelnen Spielerinnen bekannter zu machen.

Frage: Wie viel Arbeit wartet diesbezüglich auf Sie?

Fitschen: Wir haben eine Umfrage in Auftrag gegeben, in der auch die Bekanntheit der einzelnen Spielerinnen abgefragt wurde. Dabei ist herausgekommen, dass sehr viele Birgit Prinz kennen, danach kommen mit großem Abstand solche Namen wie der von Nadine Angerer. Da besteht noch sehr viel Potenzial. Wenn wir die Mannschaft bei der WM als Zugpferd nutzen wollen, müssen wir jedoch diese Stars herausbilden, dazu gehört eine gewisse Bekanntheit. Dabei helfen uns zum Beispiel auch die Sponsoren. REWE hatte in den vergangenen Wochen eine ganz tolle Kampagne. Jeder der in einen der bundesweit 3.000 REWE-Märkte einkaufen gegangen ist, konnte die Frauen-Nationalmannschaft gar nicht übersehen. Dazu noch der Fernseh-Spot mit Silvia Neid, also das ist schon eine große Präsenz gewesen.

Frage: Für was soll die Frauen-Nationalmannschaft stehen?

Fitschen: Für die Nähe zum Publikum. Das ist ganz wichtig. Die Fans sollen das Gefühl haben, dass sie hier ihr Autogramm bekommen oder ein Foto mit einer Spielerin machen können. Das ist etwas ganz Wichtiges, was die Mannschaft auszeichnet. Das ist kein Widerspruch dazu, Stars ausbilden zu wollen. Wir wollen Stars zum Anfassen präsentieren.

Frage: Oliver Bierhoff tritt bei Pressekonferenzen der Mannschaft auf. Werden Sie das auch tun?

Fitschen: Nicht, wenn es um sportliche Dinge geht. Da wird Silvia Neid weiterhin das alleinige Sagen haben. Wenn es etwas zu verkünden gibt, was in meinen Aufgabenbereich fällt, dann mache ich das natürlich gerne.

Koordinatorin im Einsatz: Doris Fitschen  © Bongarts/GettyImages
Koordinatorin im Einsatz: Doris Fitschen

Frage: Ihr männliches Pendant positioniert sich auch mal in Bezug auf die Bundesliga. Wird das auch Ihre Aufgabe sein?

Fitschen: Da hinkt der Vergleich. Zum einen kann man die Position von Oliver Bierhoff nicht eins zu eins mit meiner vergleichen. Außerdem gibt es Unterschiede zwischen der Bundesliga und der Frauen-Bundesliga. Innerhalb des DFB haben wir gute Strukturen aufgebaut, wie mit den Vereinen der Frauen-Bundesliga gearbeitet wird. Das funktioniert ordentlich und auf dieser Basis soll die Zusammenarbeit auch in Zukunft gepflegt werden.

Frage: Immer mehr Spielerinnen werden durch Berater vertreten. Wie werden Sie mit diesen umgehen?

Fitschen: Natürlich werde ich auch zu den Beratern Kontakt pflegen. Ich sehe mich als Koordinatorin, die zwischen der Mannschaft, den Spielerinnen und dessen Umfeld vermittelt. Das wird sich alles in nächster Zeit entwickeln.

Frage: Wie kann die Frauen-Nationalmannschaft noch weiter von der Bundesliga profitieren?

Fitschen: Mit der Bundesliga bewegen wir uns an der Schwelle vom Amateur- zum Profi-Sport. Die Nationalspielerinnen trainieren bereits weitestgehend professionell, das heißt, sie sind regelmäßig zweimal täglich auf dem Trainingsplatz. Jedoch kann man das von Spielerinnen, die nur ein Taschengeld in der Bundesliga verdienen, nur schwer verlangen. Es ist schwer Beruf und Sport unter einen Hut zu bekommen. Natürlich halte ich es für wünschenswert, wenn man als Mannschaft komplett morgens und mittags trainieren könnte. Und das muss auch das Ziel sein, das man in den kommenden Jahren angehen sollte.

Frage: Wie wird sich Ihre Rolle bei der EURO 2009 definieren?

Fitschen: Meine Rolle wird es in erster Linie sein, zu lernen. Ich kenne zwar die Spielerinnen, habe mit vielen noch selbst aktiv gespielt, aber ich will jetzt näher ans Team heranrücken. Ich will die Abläufe kennenlernen und werde mir direkt Gedanken machen, wo kann man noch etwas optimieren, noch mehr rausholen kann, um den Frauenfußball noch einen Schritt weiter zu bringen.

Neuer Modus, größere Spannung

17.08.2009 10:00 Frauen-EM 2009

Neuer Modus, größere Spannung

Als Titelverteidiger einer der Favoriten: Das deutsche Team  © Bongarts/GettyImages
Als Titelverteidiger einer der Favoriten: Das deutsche Team

Die UEFA hat aufgestockt. Nicht nur das Teilnehmerfeld ist bei der EURO 2009 von acht auf zwölf Mannschaften vergrößert worden. Mit dem neuen Modus einher geht auch die Erwartung, dass die Konkurrenz noch mehr Spannung bietet. Eine Hoffnung, die durchaus berechtigt ist. Denn auch DFB-Trainerin Silvia Neid glaubt: „Meiner Meinung nach haben sechs Teams berechtigte Ambitionen auf den Titel.“

Die hohe Leistungsdichte bei der vom 23. August bis 10. September in Finnland stattfindenden EM-Endrunde wird durch die FIFA-Weltrangliste dargestellt. Alle teilnehmenden Nationen rangieren unter den Top 20. Angeführt wird das Feld der besten europäischen Mannschaften von der DFB-Auswahl auf Platz 3. Die aktuelle Leistung aber auch eine Historie mit sechs Titelgewinnen bei Europameisterschaften begründen die Einstufung des deutschen Teams im Kreis der Favoriten. Die Wertschätzung schmeichelt, verpflichtet und ist Warnung zugleich. Silvia Neid sagt jedenfalls: „Zweimal hat Norwegen die EM gewonnen, einmal Schweden – die restlichen Titel haben wir geholt. Die wollen alle, dass wir nicht schon wieder den Pokal in Händen halten.“

Schweden rechnet sich Chancen aus

Vor allen Dingen Schweden wird hoch gewettet. Die Skandinavierinnen haben eine souveräne Qualifikation gespielt. Dazu gesellen sich hervorragende Ergebnisse in diesem Jahr. Unter anderem gewannen die Tre Kronors den Algarve Cup im März, auf dem Weg zum Turniersieg schlugen sie das deutsche Team und die USA. Im Mai bekam Brasilien beim 1:3 die Stärke der Schwedinnen zu spüren. Was vielleicht nach den Rücktritten von Hanna Ljungberg, Caroline Jönsson und Frida Östberg überraschend kam. Für sie sind aber erfolgshungrige Talente nachgerückt. „Wir haben eine gute Kombination aus jungen und erfahrenen Spielerinnen“, sagt Spielführerin Victoria Svensson. Jedoch will sie ihrem Team nicht die Favoritenbürde zukommen lassen. Stattdessen bringt sie andere Nationen ins Gespräch. „England hat in den vergangenen Jahren sehr viel für den Frauenfußball getan. Sie arbeiten viel und werden bestens vorbereitet ins Turnier gehen“, sagt die schwedische Rekordnationalspielerin.

Tatsächlich hatten die Engländerinnen einen Lauf. Bis zur 0:2-Niederlage gegen Island Mitte Juli blieben sie in 14 Spielen in Folge ungeschlagen. Für die Qualität der Auswahl von Trainerin Hope Powell spricht auch das Interesse an englischen Spielerinnen im Ausland. Sechs von ihnen wurden von Klubs der amerikanischen Profiliga Women’s Professional Soccer verpflichtet. Darunter Spielmacherin Kelly Smith, die bei den Boston Breakers unter Vertrag steht; außerdem Karen Bardsley (Sky Blue FC), Alex Scott (Boston Breakers), Anita Asante (Sky Blue FC), Karen Carney (Chicago Red Stars) und Eniola Aluko (Saint Louis Athletica).

Mit derartigen Visitenkarten kann auch Frankreich aufwarten. Sonia Bompastor (Washington Freedom) und Camille Abily (Los Angeles Sol) sind die französischen Exporte in die USA. Deren individuelle Klasse ist unbestritten. Aber auch die Mannschaft ist stark. Sie ist gleich in der Vorrunde für das deutsche Team ein harter Brocken. Worauf sich die deutsche Mannschaft einstellen muss, beschreibt Frankreichs Trainer Bruno Bini so: „Als erstes habe ich die Spielerinnen ausgewählt, die Hunger auf Erfolg habe. Dann habe ich die nominiert, die es hassen zu verlieren.“

Mit Norwegen auf Kurs: Ingvild Stensland (r.)  © Bongarts/GettyImages
Mit Norwegen auf Kurs: Ingvild Stensland (r.)

Norwegen ohne Gegentor zur EM

Von diesem Schlag sind auch die Spielerinnen Norwegens. Ihre Siegermentalität zeigten sie in der Qualifikation. Ohne Gegentor marschierten sie durch, lediglich beim 0:0 gegen Russland ließen sie Punkte liegen. Mit ihnen hat die DFB-Auswahl im Auftaktspiel eine extrem kniffelige Aufgabe erhalten. Das muss auch keiner deutschen Spielerin erklärt werden, schließlich messen sich beide Nationen so oft wie kaum eine andere. Schlüsselspielerinnen auf norwegischer Seite sind Ingvild Stensland, Solveig Gulbrandsen und Melissa Wiik. Allerdings hat Trainer Bjarne Berntsen Sorgen auf der Torhüterinnen-Position. Nach dem Rücktritt von Bente Nordby hatte sich Erika Skarbo als neue Nummer 1 etabliert, jedoch verhindert ein Bruch des Handgelenks ihre Teilnahme an der EURO 2009.

Und dann wäre da noch Dänemark. Eine Nation, die eine klare Auf-und-ab-Leistungskurve nachweisen kann. Eigentlich immer unter den Top-Teams in Europa dabei, einige Male unter den besten Vier, aber auch schon mal in der Qualifikation gescheitert. Jetzt unternehmen die Däninnen einen erneuten Anlauf, um für ein Hoch zu sorgen. Eine Hoffnung, die vor allen an den Namen der Spielführerin Cathrine Paaske Sörensen gekoppelt ist.

Island siegt bei Qualifikations-Auftakt

16.08.2009 14:38 Frauen-WM 2011

Island siegt bei Qualifikations-Auftakt

Erfolgreich gestartet: Island mit Kantersieg  © Bongarts/GettyImages
Erfolgreich gestartet: Island mit Kantersieg

Island hat mit einem Kantersieg die Qualifikationsphase für die Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland eingeläutet. In Reykjavik besiegten die Gastgeberinnen Serbien vor 4194 Zuschauern mit 5:0 (1:0). Die Isländerinnen feierten damit eine gelungene Generalprobe für die anstehende EM in Finnland (23. August bis 10. September), bei der sie in der Vorrunde auf Titelverteidiger und Weltmeister Deutschland treffen.

Beide Teams stehen sich zum Abschluss der Gruppenphase am 30. August in Tampere gegenüber. "Es ist eine große Herausforderung, gegen die Besten zu spielen. Wir wollen unser Volk überraschen. Mit genügend Selbstvertrauen ist für uns alles drin", kündigte Margret Lara Vidarsdottir an, die gegen Serbien vier der fünf Tore erzielte.

Shooting der DFB-Frauen (Teil 3)







Shooting der DFB-Frauen (Teil 2)










Shooting der DFB-Frauen (Teil 1)










DFB-Frauen modeln für Mercedes und Cinque

13.08.2009 12:18 Frauen-Nationalmannschaft

Frauen-Nationalmannschaft modelt für Mercedes und Cinque

Fotoshooting für Mercedes und Cinque: Fatmire Bajramaj  © DFB
Fotoshooting für Mercedes und Cinque: Fatmire Bajramaj

Im Rahmen der Vorbereitung auf die EURO 2009 (23. August - 11. September 2009 in Finnland) kam es zu einer ungewöhnlichen Zusammenkunft an einem ungewöhnlichen Ort: Spielerinnen der Frauen-Nationalmannschaft trafen in einem Autokino in Frankfurt-Gravenbruch auf die modernsten und saubersten SUV-Dieselmodelle von Mercedes-Benz. Dabei zeigten sich Linda Bresonik, Simone Laudehr, Sonja Fuss, Saskia Bartusiak, Bianca Schmidt, Kim Kulig, Anja Mittag, Célia Okoyino da Mbabi, Fatmire Bajramaj und Trainerin Silvia Neid, die von Cinque eingekleidet wurden, von den Modellen GL 350 BlueTEC 4MATIC, ML 350 BlueTEC 4MATIC und GLK 220 CDI 4MATIC BlueEFFICIENCY begeistert.

Shooting der DFB-Frauen

Die Spielerinnen des sechsmaligen Europameister und amtierenden Titelträgers bereiten sich zurzeit in Frankfurt am Main auf das Turnier in Finnland vor und nahmen das Fotoshooting als willkommene Abwechslung zum Trainingsalltag gerne an. In Zusammenarbeit mit Cinque, dem Modeausstatter der Frauennationalmannschaft, entstanden kreative Motive von den Sportlerinnen an den Mercedes-SUVs. Der Überraschungseffekt ist den Hauptdarstellern sicher: Die Fußballerinnen, im Allgemeinen nur im National- und Vereinsdress oder in Trainingsbekleidung bekannt, präsentierten sich im modisch-legeren und smarten Outfit. Die DFB-Frauen bewiesen dabei auf dem für sie ungewohnten Terrain der Mode- und Fahrzeugfotografie ebensoviel Talent wie auf dem Spielfeld.

DFB-Frauen fechten im Olympiastützpunkt

12.08.2009 11:30 Frauen-Nationalmannschaft DFB.DE EXKLUSIV

Auf der Planche: DFB-Frauen fechten im Olympiastützpunkt

Aufmerksame Zuhörerin: Birgit Prinz (r.) als Fechterin im Einsatz  © DFB
Aufmerksame Zuhörerin: Birgit Prinz (r.) als Fechterin im Einsatz

"Es ist ganz einfach", sagt Daniel Strigel, "man muss treffen ohne getroffen zu werden." In der Tat ist das Prinzip im Fechten leicht zu verstehen. Um es angemessen umzusetzen, bedarf es jedoch der Anleitung von Experten. Gerade wenn es sich um Anfänger handelt wie die Spielerinnen der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Kompetente Trainer fanden diese im Olympiastützpunkt in Tauberbischofsheim. In der Medaillenschmiede des deutschen Fecht-Sports wurden die Fußballerinnen von Sven Schmid, amtierender Europameister und Weltranglisten-Zweiter im Degen, Jörg Fiedler, ehemaliger Weltcup-Gesamtsieger und Weltranglisten-Fünfter im Degen, und Daniel Strigel, Vize-Weltmeister 2005 im Degen, in die Kunst des Fechtens eingewiesen.

Allerdings hatte keine Spielerin aus dem Aufgebot von DFB-Trainerin Silvia Neid vor, kurz vor der EURO 2009 noch eben die Sportart zu wechseln. Vielmehr bot der Ausflug in den Fecht-Sport eine gezielte Abwechslung in der Vorbereitung auf die Kontinentalmeisterschaft vom 23. August bis 10. September in Finnland. Der Mannschaftspsychologe Dr. Arno Schimpf hatte diese Trainingseinheit organisiert. "Die Idee hinter diesem Abstecher war, Parallelen zwischen dem Fechten und dem Fußball herauszuarbeiten", sagt er.

Die Transferleistung von der Planche auf den Fußballplatz lautete: Klare Entscheidungen treffen und Aktionen bis zum Ende durchführen. Dr. Arno Schimpf erklärt: "Es geht zum einen darum, Präsenz zu zeigen. Das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Zu agieren statt zu reagieren. Zum anderen geht es darum, Kontinuität zu zeigen, nie aufzuhören, so lange das Geschehen nicht unterbrochen ist. Ich glaube, diese beiden Faktoren werden am Beispiel des Fechtens sehr gut verdeutlicht."

Abwechslung im Trainingsalltag: DFB-Team geht auf die Planche  © DFB
Abwechslung im Trainingsalltag: DFB-Team geht auf die Planche

Drei Stunden trainiert die DFB-Auswahl im Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim. Und obwohl in dieser Zeit nur die Grundkenntnisse vermittelt werden konnten, war es eine schweißtreibende Angelegenheit. Dennoch machten die Fußballerinnen eine gute Figur auf der Fechtbahn. So wurde zum Abschluss des Trainings ein kleines Turnier ausgefochten. Im Finale setzte sich Bianca Schmidt gegen Jennifer Zietz durch. Nachdem Athleten, die in Tauberbischofsheim ausgebildet wurden, rund 200 Medaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften geholt haben, äußerten die Fecht-Experten zum Abschluss die Hoffnung, dass nun eine weitere hinzukommt – diesmal allerdings im Frauenfußball.